„Ich muss den Spaß auf den VfL übertragen“

Hannover  Julian Draxler kehrt gestärkt von den beiden WM-Qualifikationsspielen zurück.

Julian Draxler freut sich über sein Tor gegen Nordirland.

Julian Draxler freut sich über sein Tor gegen Nordirland.

Foto: Reuters

Julian Draxler hatte den kürzesten Heimweg aller Nationalspieler. Von Hannover nach Wolfsburg dauert’s etwa 50 Minuten. Kurz auf die A2 Richtung Osten, dann auf die A39, und schon wird der Fahrer von den vier rostroten VW-Türmen begrüßt. Nach dem starken Länderspiel des VfL-Kickers am Dienstagabend gegen Nordirland (2:0) sollte dabei der Spritverbrauch von Draxlers Auto gesunken sein. So viel dürfte der Frustbrocken gewogen haben, dessen er sich mit seinem Tor zum 1:0 entledigt hatte. „Ich war erleichtert“, sagte Deutschlands neue Nummer 7, „denn ich hatte in den letzten Wochen trotz guter Chancen nicht getroffen. Da war das Tor wichtig fürs Selbstvertrauen und fürs Ego.“

Der gut platzierte Rechtsschuss nach reaktionsschneller Vorarbeit von Thomas Müller schlug unten rechts ein. Es war Draxlers erster Pflichtspieltreffer seit seiner Gala im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei. Viel zu lange her. Darum war die Erleichterung nicht nur auf dem Rasen groß, sondern bis auf die Trainerbank zu spüren. Oliver Bierhoff sprach von Freude. Darüber, „dass wir es mit der Nationalmannschaft immer wieder schaffen, Spieler aufzubauen und ihnen Sicherheit zu geben. Da gehört Julian dazu. Ihm haben die beiden Spiele gutgetan“, sagte der Teammanager.

So gut, dass Draxler jetzt in Wolfsburg für den bitter benötigten Umschwung sorgen soll. „Das ist meine nächste Aufgabe“, sagte er. „Ich muss den Spaß und das gute Gefühl auf den VfL übertragen.“ Dafür ist er auf der Suche nach dem Knopf, der den DFB-Draxler so schnell wie möglich ins VfL-Trikot teleportiert. Raus aus der Wohlfühloase im Weltmeisterhaufen, zurück nach Wolfsburg – wo er unter einem ganz besonderen Brennglas steht und eine angeknackste Truppe eigenhändig aus dem grauen Tabellenmittelfeld ziehen soll.

Draxler beteuert zwar, dass der Fokus auf ihn keine Rolle spiele. Doch während der Dribbler in der Nationalmannschaft häufig ein paar Meter mehr Platz erhält, weil sich die gegnerische Abwehr auch um seine hochdekorierten Nebenleute kümmern muss, liegt bei VfL-Spielen die volle Konzentration der Verteidiger auf ihm.

Sonntag geht’s gegen den starken Aufsteiger aus Leipzig, der schon satte sechs Punkte vor Draxlers bislang enttäuschenden Wolfsburgern liegt. Vor allem in der Offensive drückt der Schuh. Mit vier Toren aus sechs Partien steht der VfL gleichauf mit Darmstadt, nur Ingolstadt und der HSV haben größere Abschlussprobleme. Vieles spricht für RB. Doch der nun von seiner Last befreite Draxler kommt mit einer breiten Brust zurück von der guten Woche beim DFB. Die Hoffnung ruht auf ihm. Jetzt muss er nur noch den Knopf finden.

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