Gas-Explosion in Salzgitter: Es war Handwerkerpfusch

Salzgitter.  Zwei Menschen wurden bei einer Explosion in Salzgitter-Lebenstedt schwer verletzt. Nun ist klar: Ein Handwerker hatte eine Gasleitung durchtrennt.

Im vierten Stock wurde das große Fenster durch die Explosion herausgerissen und auf die Straße geschleudert.

Im vierten Stock wurde das große Fenster durch die Explosion herausgerissen und auf die Straße geschleudert.

Foto: Horst Körner

Sie wollten dem jungen Paar ein Nest errichten. Renovierten die Wohnung in einem Wohnblock in der Kattowitzer Straße in Lebenstedt. Am Ende eines arbeitsreichen Samstags zündete sich ein Familienmitglied dann eine Zigarette an – und es gab eine mächtige Explosion. Ein Mann wurde an diesem Novemberabend leicht verletzt, zwei Männer (27 und 39 Jahre) schwer. Sie erlitten Verbrennungen und lagen wochenlang im künstlichen Koma. Der 39-Jährige ist bis heute entstellt.

Und das offenbar alles, weil Installateure einer Fachfirma zuvor eine Gasleitung durchtrennt hatten. Augenscheinlich ein Versehen, glaubt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Sie geht von fahrlässiger Brandstiftung aus. Der geschilderte Hergang des 18. November kann inzwischen als gesichert gelten: Ein entsprechendes Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft belegt den Ablauf, sagt ihr Sprecher Christian Wolters. Die Behörde ermittelt nun gegen die beiden Handwerker, die ganz offiziell beauftragt, vor dem Unfall an der Heizungsanlage gearbeitet hatten. Unklar sei, wer von beiden verantwortlich für die Tragödie ist: War dem Subunternehmer (31) möglicherweise nicht klar war, dass die Leitung die er mit seiner Flex kappte, nicht stillgelegt war, sondern noch Gas führte? Weil sein Auftraggeber ­(50), der Inhaber eines Handwerksbetrieb aus dem Raum Salzgitter es ihm nicht mitgeteilt hatte? Wer wusste was? Diese Frage gilt es zu klären. Beide Handwerker müssen noch aussagen, berichtet Staatsanwalt Wolters. Auf fahrlässige Brandstiftung steht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Klar ist, wie schwer die die betroffene Familie an den Folgen des Unglücks trägt. Der Bräutigam (27) und sein Schwager (39) mussten lange in der Klinik bleiben. Den damals 39-Jährigen traf es besonders hart: Er lag wochenlang im künstlichen Koma. 40 Prozent seiner Haut sind bei dem Unglück verbrannt, schilderte damals ein Verwandter des Mannes. Die Brandnarben befinden sich auch im Gesicht. Mit schweren Auswirkungen für die Psyche des Opfers.

Das Perfide: Nach dem Unglück kursierten in Onlinemedien Behauptungen, die Familie hätte den Unfall selbst ausgelöst, indem sie eine Gasleitung angebohrte. Mitnichten, betont die Staatsanwaltschaft nach langen Ermittlungen. „Die Besitzer der Wohnung haben nichts falsch gemacht“, sagt Behördensprecher Christian Wolters. Sie haben sich nur eine Zigarette angezündet. Mit fatalen Folgen.

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