Der zwielichtige Landesfürst

Salder  Symposium zum 30-jährigen Krieg in Schloss Salder: Gerd Biegel widmete seinen Vortrag Christian II. von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Gerd Biegel sprach über den Landesfürsten Christian II. von Braunschweig-Wolfenbüttel, der in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung auch als „toller Christian“ tituliert wurde.

Foto: Frank Schildener

Gerd Biegel sprach über den Landesfürsten Christian II. von Braunschweig-Wolfenbüttel, der in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung auch als „toller Christian“ tituliert wurde.

Vor 400 Jahren brach der 30-Jährige Krieg aus. Auch im Braunschweiger Land wurde gemordet, gebrandschatzt und wurden Schlachten ausgetragen. Aspekten dieses Krieges ging ein Symposium im Museum im Schloss Salder am Wochenende auf die Spur.

Gemeinsam vom Fachdienst Kultur der Stadt Salzgitter, dem Stadtarchiv, dem Förderverein Burg Lichtenberg und dem Geschichtsverein Salzgitter organisiert, bot das eintägige Symposium im sogenannten Kuhstall des Museums eine Reihe von spannenden Fachvorträgen. Der „Kuhstall“ war während der Vorträge voll besetzt. Eine Kerngestalt jener Tage sei in der hiesigen Region Christian II. von Braunschweig-Wolfenbüttel gewesen.

Seiner Biografie ging der Historiker und Leiter des Braunschweiger Instituts für Regionalgeschichte, Professor Gerd Biegel, auf den Grund. Biegel ließ zunächst die bisherige Geschichtsschreibung Revue passieren. „Manchem gilt er als zwielichtige Figur, als Patriot, als Abenteurer, der ein wild-wüstes Leben führe“, erklärte Biegel. Eine kritische, belastbare Biografie gebe es bislang nicht.

Sicher sei, dass er aufgrund seines Standes ein „sorgenfreies Fürstenleben“ hätte führen können, das militärische Interesse jedoch überwogen hätte. „Gründe dafür lassen sich nicht sicher nennen“, so Biegel weiter. Stattdessen gebe es immer wieder Spekulationen. Festhalten lasse sich jedoch sicher, dass er sich offenbar zum Kriegsdienst hingezogen fühle. 1621, drei Jahre nach Ausbruch des Krieges, habe es drei Söldnerführer auf Seiten der Protestanten gegeben. Einer von diesen sei Christian gewesen, der alsbald als der „tolle Halberstädter“ benannt worden sei.

Er zog mit seinem Heer durch das heutige Niedersachsen nach Hessen und Westfalen. „Er zog eine Spur der Verwüstung durch das Land“, berichtete Biegel. Ein Ziel sei es gewesen, Reichtümer zu erwerben, um seine Truppen, immerhin um die 12000 Mann Fußvolk und 9000 Reiter, bezahlen zu können. „Das Muster war immer gleich“, so Biegel weiter. Seine Obristen seien mit einigen hundert Reitern vor einer Stadt aufgetaucht, hätten dabei einige Vororte gebrandschatzt und die Stadt zur Übergabe aufgefordert. In Paderborn habe er den Domschatz beschlagnahmt, aus dessen Gold er sogenannte „Pfaffenfeindtaler“ habe herstellen lassen.

„Das hat in Paderborn ein historisches Trauma erzeugt, das bis heute anhält“, so Biegel. Im Süden Deutschlands kämpfte er gegen Tilly und verlor, konnte aber Zweidrittel seines Heeres retten. Das führte er schließlich in die „Generalstaaten“, wo er erfolgreich an der Seite der Niederländer gegen die Spanier gekämpft habe. Dort habe er einen Arm verloren.

Christian habe bewiesen, dass er ein Heer führen könne, auch wenn er in einigen Schlachten hohe Verluste hinnehmen und mit einer Niederlage habe leben müssen. Er habe sich als durchaus erfolgreicher „Kriegsunternehmer“ bewiesen. 1626 sei er schließlich in Wolfenbüttel verstorben.

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