Salzgitter-Bad. Die Stadt will die Kita-Einstiegsgruppen noch ein halbes Jahr weiter betreiben – ob das Geld vom Land freigegeben wird, bleibt aber offen.

Kurz vor dem Besuch der Kita-Einstiegsgruppe in Salzgitter-Bad kam die ersehnte Mail. Aber nur mit halbwegs froher Botschaft: „Wir können für ein halbes Jahr aufatmen. Die Stadt hat uns mitgeteilt, dass wir erstmal weitermachen dürfen“, erklärt Carolin Wilczok. Die Sozialpädagogin ist pädagogische Fachaufsicht in zwei der insgesamt zehn Spielgruppen in Salzgitter.

„Ich konnte oft nicht schlafen, weil ich so viel gegrübelt habe. Aus Angst, meinen Job zu verlieren“, erzählt eine pädagogische Mitarbeiterin der Spielgruppe in Salzgitter-Bad. „Als jetzt die Nachricht kam, dass wir die Gruppen weiter betreiben dürfen, war die Erleichterung natürlich erstmal groß“, erklärt Carolin Wilczok. Jedoch gibt es ein großes Aber.

Es geht weiter – aber nur bis Ende 2023

In einer Mitteilung bestätigt die Stadt, dass die zehn Kita-Einstiegsgruppen weitergeführt werden sollen, die Genehmigung des Landes für den Haushalt der überschuldeten Stadt steht allerdings noch aus. Außerdem gilt die Zusage der Stadt nur bis zum 31. Dezember 2023. „Deshalb fühlt es sich für uns leider an wie ein Sterben auf Raten“, sagt Wilczok.

Im Dezember stehen sie und ihre Kollegen daher wieder vor derselben Fragen und Sorgen. „Das macht es für alle Beteiligten schwer“, berichtet Wilczok. Das Personal müsse sich beispielsweise drei Monate vorher beim Arbeitsamt melden und dann damit rechnen, von einem Tag auf den anderen ohne Job dazustehen.

Großer Verlust für Kinder und Eltern in Salzgitter

Besonders groß sei der zu befürchtende Verlust aber für die Kinder und die Eltern. Denn die Gruppen sollen Kindern ohne Kitaplatz und deren Eltern den Einstieg ins „Kita-Leben“ erleichtern. Ein Angebot, das Familien und Müttern in Salzgitter zugute kommt – sofern sie einen der begehrten und begrenzten und bislang kostenlosen Plätze bekommen. Denn das Angebot ist beliebt, berichtet Wilczok: „Wir mussten kaum Werbung machen und bekommen immer wieder neue Anfragen von Eltern.“

Besonders auch zugewanderten oder geflüchteten Familien und Müttern biete die Gruppe ein starkes Angebot – eine direkte und unmittelbare Hilfe für Integration im Leben und Arbeiten in Salzgitter. „Die Kinder lernen den Kita-Alltag kennen, lernen die Regeln im Miteinander-Spielen – und Kinder mit anderer Muttersprache lernen hier schon Deutsch zu sprechen“, erklärt Wilczok.

Kinder lernen Deutsch in der Spielgruppe

Es sei schön, zu beobachten, welche Fortschritte die Kinder in der Spielgruppe machten. „Wir haben beispielsweise ein Kind hier, dessen Eltern nur arabisch sprechen. Sie können noch nicht gut Deutsch. In der Spielgruppe haben wir nach einer Weile bemerkt, dass das Kind anfing, kurze Sätze auf Deutsch zu sagen. Das sind Erfolge, über die wir uns freuen.“ Falle die Gruppe plötzlich weg und habe das Kind noch keinen Kita-Platz, falle diese regelmäßige Übung und der Kontakt mit der deutschen Sprache plötzlich weg. „Das wirft die Kinder natürlich zurück“, sagt Wilczok.

Aber auch die Eltern nähmen viel aus den Kita-Einstiegsgruppen mit. „Sie lernen, wie es läuft, wie die Kommunikation ist, wo man sich melden muss.“ Auch Rat, wohin sich Eltern wenden können, wenn die Pädagoginnen und Pädagogen beispielsweise beobachten, dass ein Kind Logopädie, Ergotherapie oder andere Hilfe brauchen könnte.

Familien in Salzgitter besser unterstützen

„Dafür könnten wir mehr Zeit gut gebrauchen, um die Familien auch besser in solchen Fragen unterstützen zu können“, sagt Wilczok. Derzeit bieten die Gruppen an drei Tagen in der Woche jeweils drei Stunden Betreuung an. „Ein Traum wäre es, die Gruppe an fünf Tagen in der Woche anbieten zu können“, aber das sei derzeit absolutes Wunschdenken für die Sozialpädagogin. Sie und ihre Kollegen machten sich viele Gedanken, wie es weitergehen soll, aber auch, wie das Konzept noch verbessert werden kann.

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„Beispielsweise haben wir schon über bessere Vertretungsregelungen nachgedacht“, erklärt Wilczok. Eine Hürde sei bei Krankheitsausfällen immer wieder die Anstellung bei unterschiedlichen Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt (Awo) oder der Caritas.

Wie sollen die Gruppen in Zukunft bezahlt werden?

Aber auch für die künftige Finanzierung der Gruppen haben die Kolleginnen und Kollegen Ideen entwickelt. Denkbar sei ein geringer Beitrag der Eltern, wie beispielsweise ein „symbolischer Euro“ pro Woche. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Gruppen besonders auch für Mütter und Familien mit niedrigem Einkommen bezahlbar sind. Denn besonders die Kinder dieser Familien möchten wir mit dem Angebot erreichen“, sagt Wilczok.

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