Corona-Tagebuch Salzgitter: Nur nicht ablenken lassen!

Salzgitter-Bad.  Alleinerziehend und berufstätig in Corona-Zeiten: Yvonne Weber ist mit ihren drei Jungs (8 und zweimal 5) in Zwangspause. Hier ihr Tagebuch:

Gerade im Homeoffice ist Selbstdisziplin wichtig. (Symbolbild)

Gerade im Homeoffice ist Selbstdisziplin wichtig. (Symbolbild)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Tag 46: Vergesslich

Ich sitze am Esstisch am Laptop und bemerke: meine Kameratasche liegt noch eine Etage tiefer im Flur. Ich brauche den Fotochip und gehe treppabwärts. Auf meinem Weg nehme ich den Wäschekorb mit nach unten, lösche in drei Zimmern das Deckenlicht, hebe vier Kindersocken auf, stelle sechs Paar Kinderschuhe gerade hin, hänge zwei Jungenjacken an den Haken, schmeiße fix die Wäsche in die Waschmaschine, lösche das Licht in der abgelegenen Gästetoilette und schließe wieder die Tür, räume die im Flur liegenden Kindergartenutensilien zumindest wieder auf die Terrasse raus und nehme den schon seit Tagen wartenden Korb mit Frischwäsche wieder mit nach oben.

Ich sitze abermals am Esstisch. Und überlege, was ich eigentlich wollte. Drei Minuten später möchte ich die Fotos vom Eichendorffplatz aus der Kamera einlesen und … fluche vor mich hin. Ich stehe erneut auf und nehme mir vor, auf dem Weg zur Fototasche nichts anzufassen.

Tag 47: Bettyoga

Fast 50 Tage geht das nun so. Und ich frage mich, wie bekomme ich die Kehrtwende, wenn die Schule wieder losgeht. In Gefahrensituationen (Gewitter, Feuerwerk, manchmal reicht auch einfach nur Dunkelheit) schläft unser Rudel zusammen. Alle drei Kinder kuscheln sich an mich. Immer fehlt eine dritte Seite von mir und der Verlierer muss sich zähneknirschend mit dem Bruder oder meinen Waden begnügen. Mittlerweile stellt sich allabendlich gar nicht mehr die Frage, ob sie in ihre eigenen Betten gehen. Ganz ehrlich? Ich mag es. Auch wenn es abends neben mir länger (viel, viel länger) kichert und motzt, zappelt und pupst. Nur nachts wache ich öfter auf. Dann streicht ein Kinderfuß (schon fast zärtlich) über meine Wange. Ich weiche ihm ninjamäßig blitzschnell aus, um keinen Nasenbruch zu erleiden. Eine zweite Ferse kuschelt sich an meinen Rücken. Man könnte auch sagen, sie bohrt sich spitz zwischen meine Wirbel. Und meine Beine (habe ich überhaupt noch welche?) schlängeln sich wie eine Kreuzotter um drei kleine ruhende Kinderkörper, um ja niemanden zu wecken.

Und dann höre ich es. Dieses eine Geräusch, das ich so liebe: das Ausatmen eines schlafenden Kindes. Wenn es so zufrieden grunzt. Mein Mutterherz hüpft, und ich versuche in einer undefinierbaren verknoteten Schlafposition wieder die Augen zu schließen. Ein Yogalehrer wäre stolz auf mich.

Corona in Salzgitter und Umland – Was Sie jetzt wissen müssen

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