Geständnisse kürzen Salzgitteraner Bestechungs-Prozess ab

Salzgitter.  Vor dem Landgericht Braunschweig: Eine TAG-Mitarbeiterin und ein Syrer haben Flüchtlinge abgezockt.

Der angeklagte Syrier und die ebenfalls angeklagte TAG-Mitarbeiterin im coronagerecht gestalteten Verhandlungssaal. 

Der angeklagte Syrier und die ebenfalls angeklagte TAG-Mitarbeiterin im coronagerecht gestalteten Verhandlungssaal. 

Foto: Verena Mai

Eine Verständigung aller Parteien macht es möglich, dass der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig um Bestechung und Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall abgekürzt wird und Zeugen nicht mehr gebraucht werden. Ein Unternehmer aus Syrien (42) und seine Komplizin (46), eine ehemalige TAG-Mitarbeiterin, haben zu Prozessauftakt gestanden, Wohnungen der TAG Immobilien gegen Provision an Flüchtlinge vergeben zu haben. Die beiden, die zwischendurch auch eine Liebesbeziehung eingingen, haben sich das Geld hinterher geteilt – sie soll etwa 50 bis 100 Euro bekommen haben. Die TAG selbst deckte das Unrec

52 Fälle listete der Staatsanwalt namentlich für den Zeitraum Anfang 2016 bis Mitte 2017 auf, in denen Vermittlungsgebühren zwischen 300 und 1000 Euro für Wohnungen in den Straßen Am Haudorn, Berliner Straße oder Teichwiesenweg geflossen sein sollen. Insgesamt soll der Syrer etwa 30.000 Euro, seine Komplizin um 4000 Euro aus diesem Geschäft erwirtschaftet haben. Der Syrer gab vor Gericht allerdings an, dass die Geldbeiträge der Flüchtlinge auch Bezahlung für andere Dienstleistungen seinerseits gewesen seien, etwa Übersetzungstätigkeiten oder Begleitung von Behördengängen.

Dies hatte er vorher als Ehrenamtler auch schon getan und war so in Kontakt mit der TAG-Mitarbeiterin gekommen. Die Idee zu dem Provisionsbetrug, so schilderte es die Frau, habe allerdings eine Kollegin von ihr gehabt. „Wir könnten doch etwas daran verdienen“, soll die Frau gesagt haben. Doch eine konkrete Absprache, dass die Angeklagte Wohnungen für die Vermittlungstätigkeit des Syrers „reservierte“, soll es erst einige Monate nach dem Kennenlernen der beiden gegeben haben. Zuvor waren bei der TAG Gerüchte aufgekommen, dass solche Provisionsgeschäfte gemacht würden, und zweimal fiel auch der Name des Angeklagten. Doch nie hätten sich Zeugen gemeldet, sagte ein Vertreter des TAG-Immobilienmanagements – wohl aus Angst, überhaupt noch eine Wohnung zu bekommen: „Wir hatten keine Beweise.“

Die TAG sprach vorsorglich Hausverbote aus und untersagte Mitarbeitern, unter anderem mit dem Angeklagten Kontakt zu suchen, berichtete der Zeuge. Darüber setzten sich die beiden, zudem inzwischen ein Liebespaar mit gemeinsamem Haushalt, hinweg. Dann packte einer der Flüchtlinge bei unserer Zeitung aus, auch die TAG erhielt laut des Zeugen eine Liste mit Betroffenen, die den Namen des Angeklagten nannten. Und die TAG erkannte, dass die betroffenen Wohnungen im Arbeitsgebiet der nun angeklagten Mitarbeiterin lagen, wie der Zeuge sagte.

Die wiederum erklärte das Aufs-Spiel-Setzen ihres „absoluten Traumjobs“ mit gutem Verdienst, dass sie sich in einer persönlich schwierigen Lage mit gescheiterter Ehe und Alkoholproblemen befunden habe. „Ich habe mich da reinziehen lassen“, sagte sie vor Gericht. Schließlich nahm sie auch Kredite auf, um Immobiliengeschäfte des Syrers zu unterstützen, wie sie schilderte.

Der Angeklagte, ein vierfacher Vater, hatte sich ohne Berufsausbildung mit verschiedenen Jobs und Firmen über Wasser gehalten. Über die Aktion „Mieter werben Mieter“, bei der eine Belohnung für erfolgreiche Werber abfällt, sei er in dieses Betrugsmodell „peu à peu“ gerutscht, schilderte sein Anwalt.

Den Angeklagten sind im Rahmen der Verständigung Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt worden. Geprüft wird noch, ob Anklagepunkte fallen gelassen werden sollen. Die Plädoyers sowie das Urteil könnten bereits am zweiten Verhandlungstag, am Donnerstag nächster Woche, erfolgen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder