Corona setzt Abenteurer aus Salzgitter in Spanien fest

Ostlutter/Puerto de Santa Maria.  Claudia und Christian Reichert wurden auf dem Weg nach Afrika in Spanien von der Corona-Pandemie überrascht.

Claudia und Christian Reichert verwirklichen im Dezember ihren Lebenstraum und machten sich mit ihrem LKW-Oldtimer auf den Weg nach Afrika – in Spanien überraschte sie die Corona-Pandemie.

Claudia und Christian Reichert verwirklichen im Dezember ihren Lebenstraum und machten sich mit ihrem LKW-Oldtimer auf den Weg nach Afrika – in Spanien überraschte sie die Corona-Pandemie.

Foto: Privat

Im vergangenen Dezember verwirklichten Claudia und Christian Reichert ihren Lebenstraum: Sie kündigten ihre Jobs, verkauften ihr Haus und allen Besitz, bis auf wenige Dinge, die in ihren Mercedes-LKW- Oldtimer passten. Mit Südafrika als Fernziel brausten die begeisterten Aussteiger und Weltenbummler damals los (die SZ berichtete). Aber wie sieht es nun im Zeiten von Corona-Pandemie und Ausgangssperren mit dem LKW-Abenteuer aus? Die SZ machte die Weltenbummler in Südspanien ausfindig.

Mit dem Vorhaben, möglicherweise Ende Februar vom spanischen Festland ins afrikanische Marokko überzusetzen, klappte es nicht. „Wir warteten auf Post für uns. Auf das Carnet de Passage vom ADAC, das wir spätestens im Senegal benötigen. Gleichzeitig mit dem Dokument erwarteten wir ein paar Sachen aus Deutschland, die wir zeitgleich bestellt hatten.“

In Südspanien erledigten sie auch noch einen „Großeinkauf“ für Afrika und freuten sich auf die Überfahrt ins Abenteuer. „Am nächsten Morgen lag ich um, mit was auch immer. Erkältung- oder Corona-Symptome? Keine Ahnung, jedenfalls deutlich hörbar starker Husten und dolle Heiserkeit. Wir wollten das in le Puerto de Santa Maria aussitzen, weil uns klar war, dass wir so nicht nach Marokko einreisen können. Leider hat sich das Ganze hingezogen, und nach einer Woche hat Marokko die Fährverbindungen eingestellt.“ Die Weltenbummler entschieden, wieder Richtung Portugal zu fahren, an ein schönes Eckchen am Grenzfluss.

Inzwischen wurde auch Christian krank und die Grenzen wurden von Spanien geschlossen. „Nun stehen wir hier in der Einsamkeit und hoffen, dass es uns bald wieder besser geht. Es geht oder ging uns aber nie so schlecht, dass wir einen Arzt aufsuchen mussten“, betonte Claudia Reichert.

Bewusst hatten die Weltreisenden den Kontakt zu anderen Leuten vermieden, auch weil sie die Folgen nicht abschätzen konnten. „Wir haben von Leuten gehört, die in Cádiz spazieren waren, dann von der Polizei aufgefordert wurden, ins Hotel zurück zu gehen. Überall in Spanien haben sie Ausgangssperren verhängt. Wir haben uns hier selbst isoliert, um niemanden unnötig zu gefährden.“

Zum Glück sind die Reicherts in ihrem LKW autark. Strom von Solar, die Wassertanks mit 300 Liter voll und Lebensmittel für mehrere Wochen haben sie parat. Wenn sie frisches Wasser brauchen, werden sie im Nachbardorf bei Privatleuten versuchen, welches zu bekommen. „Einen Deutschen, der hier lebt, haben wir schon kennen gelernt und ein deutschsprachiger Finne auf Fahrradtour, der hier schon mehrere Wochen in der Nähe Station macht, kann uns sicher auch noch zu Kontakten verhelfen.“

Geplant ist, noch die nächsten Wochen dort zu verweilen und auf die Dinge zu schauen, die da noch kommen. „Wir werden auf keinen Fall zurück nach Deutschland fahren!“ Das haben sie auch schon ihren Eltern daheim mitgeteilt.

Der Finne hatte unterdessen erzählt, dass die größeren Einkaufsläden unten an der Küste nur noch begrenzte Personenzahlen einlassen, wenn sie vorher eine Nummer ziehen. Frisches Obst und Gemüse könne man nicht mehr selbst nehmen, sondern es werde einem gereicht.

Er selbst wurde im Nachbardorf in einem Café aufgefordert, den nächsten Tag bitte nicht mehr zu kommen, obwohl sie ihn schon seit mehreren Wochen kennen. Ebenso wurde er im Bus schräg angeschaut, weil er Ausländer sei, berichtet Claudia Reichert: „Die sonst so freundlichen Portugiesen werden Ausländern gegenüber wohl immer misstrauischer, erzählte uns der Finne. Aber all das haben wir, wie bereits gesagt, nicht selbst erlebt!“

Jenseits aller Straßen und Zivilisation sorgen sich die Reicherts vornehmlich nicht um sich, sondern um zwei befreundete Weltenbummler, die derzeit mit ihrem LKW in Marokko oder irgendwo in Nordafrika unterwegs sein sollen. „Wir haben gehört, dass man über Ceuta noch aus Marokko ausreisen kann. Mehr wissen wir leider auch nicht.“ Sie hoffen, dass es auch den Freunden aus Liebenburg gut geht.

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