Urteil: Salzgitteraner griff Polizisten, Sanitäter und Pfleger an

Lebenstedt.  Einsatzkräfte wollten dem Betrunkenen helfen. Weil er trat, spuckte und wild um sich biss, musste er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Ein Salzgitteraner soll im März Polizisten und Rettungskräfte angegriffen haben, die ihm helfen wollten.

Ein Salzgitteraner soll im März Polizisten und Rettungskräfte angegriffen haben, die ihm helfen wollten.

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

Es braucht acht Personen, um den Tobsüchtigen zu fixieren, der auf der Überwachungsstation des Klinikums in Salzgitter um sich tritt, beißt und spuckt. Krankenpfleger, Sanitäter, Polizisten. Einen Mann trifft er mit dem Fuß an der Brust. Erst nachdem eine Ärztin dem 25-Jährigen ein starkes Beruhigungsmittel verpasst, lassen seine Angriffe nach und die Handfesseln können entfernt werden. Dabei hatten sie dem Betrunkenen nur helfen wollen, der sich für diese Attacken nun, sechs Monate später, vor dem Amtsgericht verantworten musste.

Schon vor dem Vorfall im Krankenhaus soll der Mann Polizisten und einen Rettungssanitäter mit Ellbogenstößen traktiert haben. Der arbeitslose 25-Jährige hat keinen Schulabschluss, ist der Polizei wohlbekannt und hat offenbar ein Alkoholproblem. Vor Gericht erscheint er mit halb rasiertem Schädel und gibt an, sich an fast nichts von besagtem Tage zu erinnern. Er wisse nur noch, dass er mit Freunden Schnaps getrunken hat. Während der Verhandlung schaut er fast durchgehend betroffen und mit gesenktem Kopf auf seinen Tisch.

Alles begann mit einem Anruf, schildern zwei Polizisten im Zeugenstand: Eine hilflose Personen torkele über die Fahrbahn im Bereich des City-Carrées in Lebenstedt. In der Nähe mehrerer Müllcontainer wurden die beiden Beamten fündig. Dort lag der stark betrunkene Angeklagte. Neben ihm, schildert eine junge Polizistin, eine Packung Tabletten. Weil die herbeigeeilten Rettungskräfte nicht sicher waren, was genau er eingenommen hatte, befürchteten sie akute Lebensgefahr. Der 25-Jährige sollte ins Krankenhaus.

Doch als er die Polizisten als solche erkannte, und die ihm eröffneten, was passieren soll, habe er versucht zu fliehen und mit den Ellbogen nach ihnen geschlagen, erklärt einer der Beamten. Mit vereinten Kräften fixierten sie ihn auf einer Trage. Er und seine Kollegin schildern den Angreifer als stark betrunken, aber ansprechbar. Eine Alkoholkontrolle ergab später den stolzen Wert von 2,5 Promille.

Schon vor dem Transport mit dem Rettungswagen fesselte man den 25-Jährigen mit Stahlschellen. Bis in den Schockraum der Notaufnahme sei er ruhig geblieben. Aus dem Nichts habe er dort erneut die Fäuste geballt, und geschrien: „Scheiß Hannoveraner“. Kurz danach schaffte er es, ein Bein aus dem Gurt zu lösen, mit dem er fixiert war. Daraufhin trat er einem Sanitäter vor die Brust. „Mit voller Wucht“, sagt ein Polizist, der „zum Glück“ Handschuhe trug, als der Berserker ihn dann noch biss. Letztlich half nur ein starkes Beruhigungsmittel. Aggressivität in dieser Dimension habe er noch nicht erlebt, sagt der Polizist fassungslos. „Das war extremer Stress, eine Tortur.“

Er wolle endlich aufhören mit dem Trinken, erklärt der Angeklagte, bei dem „einzelne Bilder“ zurückzukehren scheinen. Eine Entgiftung hat er hinter sich. Die Therapie läuft. Richterin Magdalena Duckwitz will ihm „noch eine Chance geben“, obwohl sie Zweifel hegt. „Sie stehen noch am Anfang Ihres Lebens.“

Das Gericht folgt dem Strafantrag der Staatsanwältin und verhängt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung. Sie gehe von einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten aus, weil er stark alkoholisiert war, sagt Duckwitz. Seine bisherigen Delikte seien nicht einschlägig gewesen und wurden mit Geldstrafen geahndet.

Den Opfern nuschelt der Angeklagte ein „Es tut mir leid“ entgegen. Die Antwort eines Polizisten, der den Angreifer bereits aus mehren Einsätzen kennt: „Hoffen wir, dass das so bleibt.“

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