E-Fahrzeuge sind sexy, aber nicht sexy genug

Calbecht.  Ein Fazit aus dem Forschungsprojekt „Die Elektromobilität ist weiblich“ an der Ostfalia zog Projektleiterin Dr. Sonja Machledt-Michael.

Beteiligte des Forschungsprojekts „Die Elektromobilität ist weiblich“ an der Ostfalia-Ladesäule (von links): Rainer Krause (Projekt-Partner WEVG), Professorin Sandra-Verena Müller, Professor Sven Strube (Projekt-Partner Lautlos), Projektleiterin Dr. Sonja Machledt-Michael, Professor Joachim Landrath (Leiter des CEMO, Centrum für Elektromobilität der Ostfalia), Birgit Müller (WEVG) und Julia Maulhardt (Beraterin für E-Mobilität).

Beteiligte des Forschungsprojekts „Die Elektromobilität ist weiblich“ an der Ostfalia-Ladesäule (von links): Rainer Krause (Projekt-Partner WEVG), Professorin Sandra-Verena Müller, Professor Sven Strube (Projekt-Partner Lautlos), Projektleiterin Dr. Sonja Machledt-Michael, Professor Joachim Landrath (Leiter des CEMO, Centrum für Elektromobilität der Ostfalia), Birgit Müller (WEVG) und Julia Maulhardt (Beraterin für E-Mobilität).

Foto: Bernward Comes

Frauen eignen sich besonders als E-Mobilität-Nutzerinnen, weil sie meist kurze Wege fahren, oft innerstädtisch unterwegs sind und oft zuhause (und dort laden können), davon ging das Ostfalia-Forschungsprojekt „Elektromobilität ist weiblich“ aus. Doch E-Mobilitäts-Nutzer sind meist Männer, sagte Professor Sven Strube vom Projekt-Partner Lautlos.

Wie also könnte man Frauen für diese Sparte begeistern? So lautete die Kernfrage des Projekts, das 2017 in einen Feldversuch gipfelte: Frauen liehen sich E-Räder oder E-Autos für zwei Wochen aus, berichteten Freundinnen davon und beantworteten Fragen zu ihren Fahr-Erfahrungen. Das Fazit stellte Projektleiterin Dr. Sonja Machledt-Michael am Dienstag vor.

„Elektromobilität ist noch kein Selbstläufer“, bilanzierte sie. Zwar: Was das E-Rad anging, so hatten sich schließlich acht (von 23) Frauen zum Ende der Projektzeit laut Projektleiterin tatsächlich eins zugelegt: Der Praxistest hat also als Türöffner funktioniert – und das, obwohl der Fragebogen hinterher eher negativ ausfiel für einen geplanten Kauf, trotz aller positiven Aspekte wie Umweltfreundlichkeit, Fahrspaß und einfachem Laden. Kritisiert wurden neben dem Gewicht und dem Preis auch die Lademöglichkeiten.

Beim E-Auto haben immerhin hinterher mehr Probandinnen im Vergleich zu vorher gesagt, die Anschaffung zu planen. Aber: Die Reichweite! Der Preis! Die Ladesäulen-Infrastruktur!

Am Ende leidet das E-Auto unter den alten und bekannten Problemen – auch, wenn die meisten Teilnehmerinnen des Projekts das E-Fahrgefühl mit dem E-Golf – entgegen der eigenen Erwartung – total super fanden. Und laut Projektleiterin von einem „fliegenden Teppich“ sprachen oder vom „Gefühl, zu schweben“.

Die gute Nachricht: Diese Aspekte werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren verbessern, so schätzte es Professor Thomas Cerbe (Institut für Verkehrsmanagement) ein. Schon jetzt kann der Nachfolger des Testautos 300 statt bislang 200 Kilometer mit voller Batterie schaffen, versicherte Machledt-Michael.

Sie zog aus den Ergebnissen auch Tipps für die Hersteller: So empfahl sie, das Laden einheitlich zu gestalten – und zuverlässig. Die Testfahrerinnen hatten nämlich von unterschiedlichen und teils komplizierten Ladesystemen berichtet oder aber von verschiedenen Zahlsystemen und zugeparkten Ladestationen.

Ein überraschender Aspekt ergab sich in der Reichweitenangabe. Wie Machledt-Michael berichtete, gab es da irreführende Anzeigen sowohl beim E-Bike, als auch im E-Auto. Im Winter etwa, trotz voller Batterie, zeigte der Golf (Reichweite 200 Kilometer) nur 154 Kilometer Reichweite an – und nach wenigen Kilometern Fahrt nochmal 34 Kilometer weniger.

Machledt-Michael empfahl, in solchen Fällen nur auf den Batteriestatus zu achten. „Die Reichweitenanzeige ist der Tod der E-Mobilität“, bilanzierte die Projektleiterin, die auch Herstellern empfahl, die Anzeige zu ändern.

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