Weltmeisterzug hält auch in Lebenstedt

Viele Salzgitteraner kommen zur Abschiedstour des VT08 – Ehepaar Scholz machte Rundreise mit

Nehmen Abschied vom Weltmeisterzug: Christa und Wolf Rainer Scholz auf dem Bahnhof Lebenstedt.   

Nehmen Abschied vom Weltmeisterzug: Christa und Wolf Rainer Scholz auf dem Bahnhof Lebenstedt.   

Foto: Jassan

LEBENSTEDT. Ungewöhnlich viele Salzgitteraner fanden sich Samstagvormittag am Bahnhof Lebenstedt ein: Sie erwiesen dem Weltmeisterzug auf seiner Abschiedstour durch die Region die letzte Ehre. Wie berichtet, endete Punkt Mitternacht die Betriebserlaubnis für den 55 Jahre alten VT08. Danach muss er aufs Abstellgleis – Zukunft ungewiss.

Der Zug hatte 1954 die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft um Sepp Herberger und Fritz Walter nach ihrem Gewinn der Weltmeisterschaft in der Schweiz von Bern in einem Triumphzug nach Frankfurt gefahren. Bundesweit erneut berühmt wurde die in Braunschweig stationierte Bahn 2003 als Hauptrequisit des Spielfilms "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann.

Unter den Menschen, die ihr nach knapp zehnminütigem Aufenthalt in Lebenstedt wehmütig nachblickten, befanden sich auch Christa und Wolf Rainer Scholz (Foto) aus Broistedt. Die beiden verbindet ein besonders inniges Erlebnis mit dieser Eisenbahn: Am 12. August kehrten sie von der viertägigen VT08-Kreuzfahrt durch Deutschland zurück.

"Die Eindrücke dieser Rundreise waren überwältigend", berichten sie der SZ. Wie damals schon hätten auch diesmal wieder viele Schaulustige an den Strecken gestanden und den Reisenden zugewunken oder Nationalfahnen geschwenkt. "Besonders herzlich war der Empfang in Schlettau im Erzgebirge", berichtet der 68-Jährige. Dort habe es am Bahnhof Blasmusik und eine Würstchenbude gegeben. Zudem sei man von örtlichen Honoratioren begrüßt worden. Scholz: "In Oebisfelde fand sogar eine historische Grenzkontrolle mit Leuten in original DDR-Uniformen statt."

Organisiert von Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde führte die Fahrt unter anderem nach Berlin, Leipzig, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Nürnberg und Hannover. "Wir fuhren bequem in der ersten Klasse und genossen die familiäre Atmosphäre", sagt Christa Scholz.

Ob es jemals eine Wiederholung gibt, ist zweifelhaft. Zunächst sollen Experten prüfen, ob die Substanz des VT08 eine wirtschaftlich vertretbare Aufarbeitung mit Hauptuntersuchung zulässt, ließ der Verein verlauten. "Die Generalüberholung", so Scholz, "soll 1,5 Millionen Euro kosten". Da bleibe wohl nur noch das Gnadenbrot im Museum übrig.

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