Die Untaten der Nazis und das Leben im Gefängnis

Wolfenbüttel.  Das Thema Menschenrechtsbildung ist ein fester Bestandteil im Ausbildungsprogramm der MAN Truck & Bus SE.

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Die Kandidaten des Rückenwind-Preises von links: Burkhard Dube (MAN), Simona Häring (Gedenkstätte), Anja Lange-Kutroschrat (Betriebsrat MAN), Katja Lehmköster (JVA), Han-Werner Ruhkopf (MAN, Ausbildungsleiter), Martina Staats (Leiterin Gedenkstätte) und Dr. Gustav Partington (Gedenkstätte).

Die Kandidaten des Rückenwind-Preises von links: Burkhard Dube (MAN), Simona Häring (Gedenkstätte), Anja Lange-Kutroschrat (Betriebsrat MAN), Katja Lehmköster (JVA), Han-Werner Ruhkopf (MAN, Ausbildungsleiter), Martina Staats (Leiterin Gedenkstätte) und Dr. Gustav Partington (Gedenkstätte).

Foto: Yvonne Weber

Hier werden die Geschichtsfakten mit Emotionen gefüllt: Zweimal im Jahr lernen jeweils 25 Jugendlichen die Gedenkstätte in der JVA und den Alltag in der Justizvollzugsanstalt kennen. „Uns ist es wichtig, dass die jungen Leute die Menschenrechte und den Wert einer Demokratie verstehen“, so Projektleiter Burkhard Dube von MAN.

Das Thema Menschenrechtsbildung ist ein fester Bestandteil im Ausbildungsprogramm der MAN Truck & Bus SE. In diesem Rahmen werden hauptverantwortlich von Burkhard Dube (MAN) und Simona Häring (Gedenkstätte) seit April 2013 zweimal jährlich Seminartage zum Thema „Geschichte verstehen – Zukunft gestalten“ in enger Kooperation mit der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel unter Beteiligung der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel durchgeführt. Am Beispiel der Geschichte des Nationalsozialismus und der in dieser Zeit praktizierten massiven Ausgrenzung von Menschen durch Justiz und Strafvollzug setzen sich die Auszubildenden mit der Bedeutung von Respekt und Akzeptanz auseinander und beziehen ihre Erkenntnisse auf die Gegenwart.

Bewegende und eindrückliche Zeit

Den Auftakt der jährlich im Mai und Dezember veranstalteten zweitägigen Workshops bildet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Justiz im Nationalsozialismus. Dabei werden sowohl Veränderungen des Rechtssystems im Übergang von der Weimarer Republik zur NS-Zeit als auch mögliche Handlungsspielräume beteiligter Akteure thematisiert. „Anhand von Originalquellen, die in digitalisierter Form in Multi-Touch-Tischen aufbereitet sind, recherchieren die Teilnehmer Schicksale von Einzelpersonen, die während der NS-Zeit im Strafgefängnis Wolfenbüttel inhaftiert waren oder hingerichtet wurden. Für viele ist es eine bewegende und eindrückliche Zeit bei uns“, berichtet Simona Häring.

Trotz Corona: Auch die kommenden Workshops sollen stattfinden

Der unmenschlichen Behandlung in der NS-Zeit werden in einem weiteren Programmteil durch Katja Lehmköster (JVA) die Prämissen des heutigen Strafvollzugs gegenübergestellt. Sie erläutert nicht nur dessen Leitlinien, sondern gewährt bei einer Führung durch die JVA Einblicke in die heutigen Haftbedingungen. „Wir wollen zeigen, unsere Inhaftierte sind auch nur Menschen, die Respekt verdient haben“, sagt sie. Das Projekt zeigt den jungen Menschen den Unterschied zwischen dem Unrechtsstaat damals und der Demokratie heute. „Das ist uns wichtig und heute wichtiger denn je“, betont Martina Staats, Leiterin der Gedenkstätte. Zukünftig sollen die teilnehmenden Jugendlichen bei der Einweihung des neuen Erinnerungsortes am Hauptfriedhof für die mehr als 200 an die Anatomie Göttingen überführten Hinrichtungsopfer aktiv dabei sein. MAN wird außerdem die Namensschilder produzieren. „Die Zusammenarbeit ist nicht nur einmalig, sondern funktioniert wunderbar“, freut sich Burkhard Dube. Trotz Corona wollen sie die kommenden Workshops stattfinden lassen, wenn auch anders als sonst. „Die Azubis erforschen die historischen Orte. Wir werden die Projektpunkte dennoch besuchen“, so Hans-Werner Ruhkopf, Ausbildungsleiter MAN. Wie genau die Inhalte im Dezember werden, wird in den kommenden Wochen noch besprochen.

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