Asse-Müll – Neue Zweifel an der Bergung

Hannover  Atom-Experten: Womöglich ist es besser, einen Teil der Fässer im Bergwerk zu lassen.

Das Archivbild zeigt die Enlagerung der ersten Fässer am 4. April 1967

Foto: Archiv

Das Archivbild zeigt die Enlagerung der ersten Fässer am 4. April 1967 Foto: Archiv

Die Bergung des Atommülls aus dem maroden Asse-Bergwerk bei Wolfenbüttel ist politisch beschlossen. Das bekräftigte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums.

Fachleute haben aber weiter Bedenken, was die „Rückholung“ des Atommülls angeht. „Sowohl die technische Machbarkeit als auch die Konsequenzen der geplanten Maßnahmen sind derzeit nicht abschließend beurteilbar“, heißt es im Entwurf eines Experten-Berichts der Strahlenschutzkommission (SSK), der unserer Zeitung vorliegt.

In den 26 Empfehlungen, die allerdings noch nicht beschlossen wurden, fordern die Fachleute unter anderem, auch eine „Teilrückholung“ in Betracht zu ziehen. Dabei würde ein Teil der Atommüll-Fässer in der Asse bleiben. Auch ein Nachweis der Langzeitsicherheit mit einem Verbleiben aller Fässer in der Asse wird offenbar nicht ausgeschlossen.

Die gesetzliche Regelung zur Rückholung, die sogenannte Lex Asse, enthalte keine Festlegungen zum bestmöglichen Schutz von Asse-Beschäftigten und Bevölkerung, kritisieren die Verfasser. Bei einer Überprüfung des jetzigen Rückholungs-Konzepts müsse der Nachweis geführt werden, „dass durch eine Rückholung der Abfälle mit nachfolgender Konditionierung und Zwischenlagerung mehr Nutzen als Schaden für die Bevölkerung und die Beschäftigten erreicht werden kann“, heißt es im Papier. Den Zustand der Asse schätzen die Experten ausdrücklich als „instabil“ ein.

„Der Entwurf ist offensichtlich nicht auf der Höhe der Diskussion um die Asse“, erklärte Florian Emrich, Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz. Die grundsätzlichen Abwägungen des Strahlenschutzes seien im Rahmen der Erarbeitung der Lex Asse erfolgt. Das Bundesamt betreibt die Asse seit 2009.

„Im Rahmen der Erarbeitung und Beratung des Gesetzes sind alle strahlenschutz-fachlichen Fragen umfassend erörtert worden“, erklärte auch die Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Das SSK-Papier sei weder beraten noch beschlossen worden.

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