Ein gelbes A eroberte die Gemeinden um die Asse

Wolfenbüttel  Das Zeichen der Atommüll-Gegner gibt es aus Holz, als T-Shirt und als Aufkleber. Es entstand in einer Bierlaune.

In den Dörfern rund um die Asse lehnt an jedem dritten Haus einer der gelben Buchstaben. Sie hängen an Zäunen, stehen in Fenstern. Längst haben die Asse-A’s, die hölzernen Mahnungen an das marode Atommülllager, ihren Siegeszug angetreten.

Claudia Seifert verschickt von ihrem Hof in Vahlberg im Kreis Wolfenbüttel A-Varianten: den Klassiker, die hölzernen A’s in diversen Größen, als Ansteck-Buttons, Aufkleber, Schlüsselanhänger, gedruckt auf T-Shirts und Kapuzenpullis. Sogar auf Kondom-Packungen haben die Aktivisten das Asse-A geprägt.

Wichtige Akteure

Bundesforschungsministerium: Die Asse ist eine Einrichtung im Besitz des Bundes. Sie lief bis 2009 offiziell als Forschungseinrichtung unter dem Dach des Bundesforschungsministeriums. Dabei lag der Schwerpunkt allerdings auf der Einlagerung von Atommüll – also auf Entsorgung.

Bundesumweltministerium: Das 1986 gegründete Ministerium ist auch für Endlagerung zuständig. Die Asse fiel als Forschungsbergwerk aber nicht darunter. Dies änderte sich erst, als Bundesumweltminister Gabriel (SPD) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU, unser Foto) zum Jahr 2009 einen Wechsel zum Umweltministerium vereinbarten. Auch der Asse-Betreiber wechselte: Von der Gesellschaft für Strahlenforschung zum Bundesamt für Strahlenschutz.

Landesministerien: Das Land hatte die Aufsicht über die Asse, maßgeblich waren Bergrecht und Strahlenschutzrecht.

Das A ist nicht mehr nur auf den Kreis Wolfenbüttel und unsere Region beschränkt. „Wir haben Anfragen aus ganz Deutschland“, sagt Seifert. Die 1-Meter-A’s hat sie sogar schon nach Frankreich, Luxemburg und Österreich verschickt – als Bausatz.

Mit zwei weiteren Frauen bastelt die fünffache Mutter das meiste selbst. Die 1-Meter-A’s werden mittlerweile in der Werkstatt der Lebenshilfe in Wolfsburg gefertigt. Wer solch ein A haben möchte, muss eine Spende zahlen. Die sieben Euro Herstellungskosten sollen es schon sein.

Das größte, ein elf Meter hohes A, steht am Waldrand oberhalb von Remlingen, unweit der Schachtanlage. Es wurde von Aktivisten in Vahlberg hergestellt.

Acht Verteilstationen gibt es für die A’s in unserer Region, drei in Braunschweig, drei in Wolfenbüttel, Seiferts Hof und der Biohof von Ursula Kleber, Vorstandsmitglied des Vereins „AufpASSEn“.

Kleber hat jedem Bundesumweltminister, der die Asse besucht hat, ein 1-Meter-A in die Hand gedrückt, egal ob es Sigmar Gabriel (SPD), Norbert Röttgen, Peter Altmaier (beide CDU) oder Barbara Hendricks war. „Die A’s verdeutlichen: Wir schauen euch auf die Finger. Es wird nichts mehr verheimlicht“, sagt Kleber.

Seifert erinnert sich an die Entstehung der A’s: 2007 saßen Aktivisten nach der Nacht am Schacht bei einem Bier zusammen und suchten nach einem Symbol für Wachsamkeit. Ete Meier kam die Idee, so Seifert: In AufpASSEn stecke doch auch das Wort Asse. Meier zimmerte die ersten A’s aus Holzlatten zusammen, strich sie gelb an, schrieb „AufpASSEn“ darauf. Das Asse-A war geboren. Kein Marketing-Experte hätte das besser hinbekommen.

„Ihr bringt nur Unruhe rein“, sagten einzelne Leute laut Seifert damals. Spätestens als die Pannen des Ex-Betreibers, des Helmholtz-Zentrums München, öffentlich wurden, kam die Idee in der breiten Bevölkerung an. Doch kaum einer machte die A’s selbst. „Seitdem bieten wir den Service an“, so Seifert. Mittlerweile steht eines der A’s sogar in der Finca von Peter Maffay auf Mallorca.

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