OB Hoffmann - „Unsere Region wird benachteiligt“

Braunschweig  Braunschweigs Oberbürgermeister, aber auch SPD und Grüne sehen eine Bevorzugung der Region Hannover.

OB Gert Hoffmann.

OB Gert Hoffmann.

Foto: Peter Sierigk

Für Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) hat die Haltung der Landesregierung System, wenn es um die Regiobahn geht. „Früher sagte das Wirtschaftsministerium, für die Regiobahn könne es keine erhöhte Förderung geben, weil bestimmte Voraussetzungen nicht vorliegen würden. Jetzt heißt es von der neuen Landesregierung, es sei nicht genug Geld da.“ Unsere Region sei gegenüber der Region Hannover eindeutig benachteiligt, sagt Hoffmann.

„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
Reinhard Manlik, CDU, zu der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Ablehnung und der OB-Wahl in Braunschweig gibt.

Wie Braunschweigs Oberbürgermeister sehen es auch Landtagsabgeordnete aus unserer Region - sogar Abgeordnete von der SPD und den Grünen. Sie kritisieren ihre eigene Regierung. Gerald Heere von den Grünen sagt: „Der öffentliche Nahverkehr ist ein grünes Anliegen. Für die Regiobahn brauchen wir einfach mehr Geld. Wir wollen zumindest den Stundentakt auf allen Strecken. Dafür werden wir uns einsetzen. Das wird zwar nicht einfach, gemeinsam mit allen Abgeordneten aus der Region haben wir aber gute Chancen.“ Es gehe nun darum, harte Fakten zu sammeln, um mit Argumenten die eigene Landesregierung zu überzeugen.

Heere erklärt, dass seine Parteifreundin, die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic aus Braunschweig, sich ebenfalls für die Regiobahn einsetzen wolle.

Eine Vermutung mit politischer Tücke ist, dass es einen Zusammenhang zwischen der Regiobahn und der Oberbürgermeisterwahl in Braunschweig im Mai gebe. Verbindendes Element wäre Hennig Brandes, der nicht nur ZGB-Chef, sondern auch Kandidat der CDU für die OB-Wahl ist. Ob es die rot-grüne Landesregierung vermeiden wolle, dem Kandidaten vor der Wahl gute Nachrichten zuzugestehen? „Theoretisch ist so ein Zusammenhang in der Politik denkbar, aber da will ich nicht spekulieren“, sagt Hoffmann. Und Reinhard Manlik, Fraktionsvorsitzender der CDU im ZGB, sagt nur: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“

Eine klare Position zur Regiobahn vertritt der Fahrgastverband „Pro Bahn“. Sprecher Björn Gryschka: „Was den öffentlichen Nahverkehr angeht, hinkt die Region Braunschweig deutlich hinterher. Solch einen schlechten Nahverkehr zwischen zwei benachbarten Großstädten wie Braunschweig und Wolfsburg gibt es kein zweites Mal in Deutschland - und das bei den täglich zigtausend Pendlern, die bei Volkswagen arbeiten.“ Zwischen Mannheim und Heidelberg etwa gebe es einen Viertelstundentakt.

Doch damit nicht genug. Auf der Strecke Braunschweig-Gifhorn-Uelzen wird es wohl keinen Stundentakt geben, wenn die Landesregierung nicht mehr Geld zuschießt. „Das wäre die erste Strecke in Niedersachsen, die nach einer Ausschreibung des Netzes weniger als einen Stundentakt ausweisen würde“, sagt Gryschka. „Da muss man das Land fragen, ob das so sein darf.“

Dem ZGB macht Gryschka den Vorwurf, zu lange am gescheiterten Konzept der Regiostadtbahn festgehalten zu haben. Der ZGB habe die Hausaufgaben aber zuletzt erledigt. Es galt vor allem, die Netze auszuschreiben, um mehr Wettbewerb zu bekommen. So konnte nach und nach der sehr teure Vertrag mit der Deutschen Bahn abgelöst werden. Einige Fehler waren aber nicht mehr zu kompensieren. Gryschka: „Das Land steht nun in der Pflicht. Der Knoten muss bei der Regiobahn endlich durchschlagen werden.“

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