Das Engagement der Wutbürger von Thune

Braunschweig  Die Bürgerinitiative Strahlenschutz kämpft für Transparenz. Und sie hat damit Erfolg.

Von Wutbürgern ist derzeit viel die Rede, doch ganz ehrlich: Haben Sie schon mal einen getroffen, der so aussah?

Das ist auch kein Wunder, denn so ein Wutbürger ist einer Ihrer Nachbarn, ein Freund, vielleicht ein guter Bekannter, kurzum: Der Wutbürger ist so normal wie du und ich. Er nutzt seine demokratischen Rechte und will vor allem eines – von den Mächtigen nicht hinters Licht geführt werden.

Auch Peter Meyer, Thomas Huk, Silvia Sieg oder Heidrun Krüger, die wir im kleinen Thune im Norden Braunschweigs treffen, schauen nicht gerade wie Wutbürger aus, aber sie sind welche. Die anderen 60 Mitglieder der Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) auch – und die mehr als 200 Bürger, die sich regelmäßig informieren lassen.

Es sind die normalen Leute von Thune und aus dem angrenzenden Papenteich im Landkreis Gifhorn, gewiss nicht alle, aber viele. Fuchsteufelswild können sie werden, wenn es darum geht, dass das kleine Thune nicht zur Drehscheibe für die Bearbeitung von Atommüll werden darf. Denn da – gleich neben dem Gewerbegebiet, um das es geht – sind ihre Häuser und Gärten, die Schule, der Sportplatz. Hier leben sie.

„Wir sind da, und wir wollen wissen, was dort ist“, sagt Peter Meyer. Und seit es die BISS gibt, seit sie 2011 gegründet wurde, das muss man sagen, ist in Thune nichts mehr so, wie es einmal war.

Bürger schauen nun genau hin, sie fordern Aufklärung, sie sind unangenehm, lassen sich nicht mehr wegschicken und vertrösten. Sie sind da. Mit ihnen ist zu rechnen. Und wer sie missachtet, betreibt sein Geschäft vermutlich nicht gut.

Peter Meyer spricht von gewaltlosem Widerstand gegen den Atom-Standort in Thune. Haben sie es nicht ein bisschen kleiner? Nein, denn es geht ihnen in erster Linie nicht um die Unternehmen in Thune, die mit radioaktiven Stoffen umgehen, um daraus wertvolle Medikamente für die Strahlenmedizin zu produzieren, zum Beispiel gegen Krebs.

Die BISS trat tatsächlich erst dann auf den Plan, als darüber nachgedacht wurde, Müll und Lauge aus dem maroden Atommüllbergwerk Asse in Thune zu behandeln. Dann wurden sie renitent. Da war sie erreicht, die Hutschnur der Wutbürger. Da fingen sie an, zu rechnen und nachzumessen. Und wollten dann wissen, was da noch alles ist. Und so kam alles ins Rollen und ins Rutschen.

DER GEMEINSAM-PREIS

Am 6. Mai ehrt unsere Zeitung mit dem Braunschweiger Dom zum zehnten Mal Menschen für ihr Bürgerengagement. In den nächsten Wochen stellen wir hier täglich die Kandidaten für den Preis vor. Heute:

Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) in Thune im Norden Braunschweigs.

Das Ziel: „Gewaltloser Widerstand gegen Atom-Standort inmitten eines Wohngebietes. Aufzeigen von Lösungen. Informations-Ermittlung und -Verbreitung in Medien und Politik. Schutz durch Erstellung eines Katastrophenschutzplanes, Reduktion der Strahlen-Werte am Zaun und in der Abluft.“

Die Partner: Bürger und Anti-Atom-Bewegung

Kontakt: Per E-Mail: info@biss-braunschweig.de

Internet: www.biss-braunschweig.de

Die BISS-Leute waren selbst überrascht, was man alles rauskriegen kann. Das ist Demokratie. Und plötzlich kam das kleine Thune, das bislang über Braunschweig hinaus kaum einer kannte, auf die Landkarte der Wutbürger. Stuttgart 21, Gorleben, Asse – Thune. „Wir sind jetzt vernetzt mit der Anti-Atom-Bewegung im Braunschweiger Land und bundesweit“, sagt Peter Meyer nicht ohne Stolz. Sie schreiben und diskutieren, was das Zeug hält, sie veranstalten Demos und Info-Abende, mischen sich ein, sie schießen übers Ziel hinaus und rudern wieder zurück. Aber sie sind da– und haben mit BISS durchaus mächtigen Interessen die Zähne gezeigt.

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