Berlin. In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol wurde wohl erhöhte Radioaktivität gemessen. Was über die Ursache bekannt ist – und was nicht.

In der ukrainischen Stadt Mariupol wurde offenbar eine erhöhte Radioaktivität gemessen. Wie das US-Portal „Newsweek“ zuerst berichtete, seien die Strahlenwerte 15-mal so hoch, wie es für Menschen verträglich wäre. Das Portal beruft sich dabei auf Angaben ukrainischer Regierungskreise. Russische Online-Medien berichten, die erhöhten Strahlenwerte seien auf freigelegten thoriumhaltigen Sand zurückzuführen. Stürme über dem Schwarzen Meer hätten das radioaktive Material freigelegt und verteilt. Die Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betont auf Nachfrage unserer Redaktion zudem: „Die in der direkten Umgebung von Mariupol vorhandenen fest installierten Messsonden liefern seit Februar bzw. August 2022 keine Daten mehr. Bis dahin zeigten sie unauffällige Messwerte.“ Zudem seien die Angaben über die Höhe der Werte in der Berichterstattung uneinheitlich.

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Strahlung in Mariupol: Ursache noch umstritten

Wie genau der mit Thorium versetzte Sand freigelegt worden sein soll, ist außerdem umstritten. Pedro Andriushchenko, ein Berater des Exil-Bürgermeisters von Mariupol, hält von der russischen Erklärung wenig. Wie Andriushchenko auf dem Messengerdienst „Telegram“ schreibt, hätten nicht Stürme, sondern das russische Bombardement den radioaktiven Sand freigelegt.

Beim BfS heißt es dazu allerdings: „Es ist prinzipiell möglich, dass thoriumhaltiger Sand – wenn er aufgewirbelt und wieder am Boden abgelagert wird oder sich direkt an der Erdoberfläche befindet – zu einer erhöhten Umgebungsstrahlung führt.“ Ob dies eine plausible Erklärung für eine mutmaßliche Erhöhung der Umgebungsstrahlung in Mariupol ist, lasse sich aus der Ferne nicht beantworten. Hierzu fehlen verlässliche Messwerte sowie die notwendigen Detailinformationen über die geologische und die aktuelle Situation vor Ort.

Die Hafenstadt Mariupol wurde zu Beginn der russischen Offensive stark zerbombt.
Die Hafenstadt Mariupol wurde zu Beginn der russischen Offensive stark zerbombt. © AFP | Stringer

Thorium ist ein radioaktives Element. In Reinform ist es ein grauweißes Metall, das mit einer Oxidschicht überzogen ist. Wenn Thorium in größeren Mengen eingeatmet oder verschluckt wird, ist es stark krebserregend. Es kommt viermal häufiger vor als Uran, weshalb ihm ein enormes Potenzial für nukleare Anwendungen zugeschrieben wird.

Mariupol war zu Beginn des russischen Angriffskriegs hart umkämpft. Die Stadt wurde schließlich von Russland eingenommen und besetzt. Weite Teile der Stadt wurden dabei stark zerbomt.