Berlin. Bei einer Explosion auf der Krim-Bücke sind zwei Menschen getötet worden. Kremlchef Putin spricht von einem “Terrorakt“ der Ukraine.

Rund neun Monate nach der schweren Explosion auf der Kertsch-Brücke zwischen Russland und der von Moskau völkerrechtswidrig annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist es am Montag zu einer weiteren Detonation an der Brücke gekommen. Sowohl der Bahn- als auch der Autoverkehr wurden zwischenzeitlich gestoppt.

Russische Militärblogger und Medien berichteten von zwei Explosionen am Montagmorgen. Nach russischen Angaben hatten unbemannte ferngesteuerte Boote Sprengstoff an dem Bauwerk gezündet. Dabei sackte ein Teil der Fahrbahn ab, wie Fotos zeigen.

Russland droht mit Vergeltung für Explosion auf der Krim-Brücke

Russland macht ukrainische Geheimdienste für den Vorfall verantwortlich. Am Montagabend erklärte der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Beratung der russischen Führung in Moskau, das sei der "nächste Terrorakt des Kiewer Regimes". Gleichzeitig kündigte er Vergeltung an: "Natürlich wird es von Seiten Russlands eine Antwort geben." Das Verteidigungsministerium bereite Vorschläge dafür vor, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Präsidenten.

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Laut Berichten der Nachrichtenagentur AFP bestätigte Kiew eine Beteiligung der ukrainischen Marine und ukrainischer Spezialkräfte an dem Zwischenfall. Der Angriff auf die Krim-Brücke sei eine "Spezialoperation" des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU und der Marine gewesen, hieß es demnach am Montag aus SBU-Kreisen. Zuvor hatte der ukrainische Geheimdienst in einer ersten Reaktion lediglich mitgeteilt: "Erneut hat sich die Brücke "schlafen" gelegt. Und eins ... zwei!"

Zwei Todesopfer nach Zwischenfall auf der Krim-Brücke

Bei der Explosion sollen zwei Menschen aus dem Gebiet Belgorod ums Leben gekommen sein. Ein Mann und eine Frau seien in ihrem Auto gestorben, sagte der Gouverneur des russischen Gebiets Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, in einer Videobotschaft. Die Tochter des Paars sei verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden.

Bereits am Montagvormittag konnten Züge wieder über die Brücke fahren. In der Nacht zum Dienstag wurde dann auch der Autoverkehr, allerdings mit Einschränkungen, wieder aufgenommen. Genutzt werde nur eine der zwei Fahrbahnen, teilte Vizeregierungschef Marat Chusnullin nach Angaben russischer Agenturen mit.

Krim-Brücke war im Oktober 2022 bei Explosion beschädigt worden

Auf der Krim ist gerade Hochbetrieb wegen der Ferienzeit. Bewohner der Region und Touristen sollten einen alternativen Landweg durch die von Russland besetzten Regionen in der Südukraine wählen, hieß es. Trotz der angespannten Sicherheitslage und langer Kontrollen zieht es russische Urlauber Medienberichten aus Russland zufolge wieder in großer Zahl auf die Krim, die für Reisende nur per Bahn oder Auto erreichbar ist.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Immer wieder ist die seit 2014 von Russland annektierte Krim Ziel von Angriffen mit Drohnen. Die Ukraine hat angekündigt, sich ihr Gebiet im Zuge einer Gegenoffensive zurückzuholen. Die rund 19 Kilometer lange Konstruktion war dabei im Oktober 2022 schwer beschädigt worden, wurde aber wieder repariert. Ende Mai räumte der ukrainische Geheimdienst erstmals eine Beteiligung an der Explosion ein. (csr/dpa/afp)

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