Wo Unternehmer Schüler werden

Salzgitter.  Seminar und Marktplatz – Knapp 300 Teilnehmer kamen nach Salzgitter zum Unternehmertag des Arbeitgeberverbands Region Braunschweig.

Inga Dransfeld-Haase, Personalchefin beim Braunschweiger Nordzucker-Konzern, hielt den Eröffnungsvortrag beim Unternehmertag des Arbeitgeberverbands Braunschweig.

Inga Dransfeld-Haase, Personalchefin beim Braunschweiger Nordzucker-Konzern, hielt den Eröffnungsvortrag beim Unternehmertag des Arbeitgeberverbands Braunschweig.

Foto: Bernward Comes

Löst euch von Hierarchien, Denk-Schablonen und Lebensläufen, werdet bunt, unterschiedlich, familienfreundlich, und achtet vor allem auf das, was eure Beschäftigten und Bewerber können. Nur so lassen sich die besten Mitarbeiter gewinnen und die leistungsfähigsten Teams formen. Das war eine der Botschaften, die Inga Dransfeld-Haase am Mittwoch beim Unternehmertag in Salzgitter transportierte. Die 40 Jahre alte Managerin, Personalchefin beim Braunschweiger Nordzucker-Konzern und Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager, hielt einen ebenso knackigen wie fokussierten Auftaktvortrag. Gastgeber war der Arbeitgeberverband Region Braunschweig. Knapp
300 Unternehmer und Führungskräfte hatten ihre Teilnahme zugesagt.

Die Veranstaltung, die bereits zum 13. Mal über die Bühne ging, bietet nicht nur ein breites Spektrum von Fachvorträgen, um das Wissen zu unternehmerischen Fragen zu vertiefen. Zugleich ist der Unternehmertag im Hotel am See stets ein Marktplatz der Informationen und eine Kontaktbörse. So war auch Dransfeld-Haase nach ihrem Vortrag eine gefragte Gesprächspartnerin.

In ihrer Rede hatte sie zuvor deutlich gemacht, dass das Rekrutieren von Fachkräften auch in Zeiten der digitalen Transformation eine der zentralen Aufgaben für Unternehmen bleibt. Zumal durch die sich verändernde Technik neue Berufe entstehen, die neue Experten erfordern. Allerdings sei es erforderlich, dass die Personalverantwortlichen in den Unternehmen ihre Arbeitsweise und ihre Strukturen überprüften, mahnte Dransfeld-Haase.

Denn nicht nur die Rahmenbedingungen – etwa die Technik – würden sich verändern, sondern auch die Bedürfnisse nachwachsender Arbeitnehmergenerationen. Das zeige sich beispielhaft in der Fridays-for-Future-Bewegung, die nach ihrer Einschätzung keine Eintagsfliege sei, sagte Dransfeld-Haase. „Nur mit Gewinnerzielungsabsichten werden sie es daher nicht weit bringen.“ Vielmehr müssten Arbeitgeber auch mit ihren Werten und ihrer Haltung überzeugen.

Ebenso wichtig sei es für Unternehmen, die Rückmeldungen ihrer Mitarbeiter und Bewerber im Blick zu haben – insbesondere auf digitalen Plattformen. „Wie ist Ihre Weiterempfehlungsquote“, fragte die Managerin in die Runde und fügte hinzu: „Oft ist noch Luft nach oben, und die Kandidaten bekommen nicht die richtigen Antworten.“

Angesichts der digitalen Transformation und der Zunahme künstlicher Intelligenz seien Unternehmen gut beraten, ständig zu hinterfragen, wie ihre Berufsausbildung gestaltet ist. „Welche Fähigkeiten werden gerade ausgebildet, reicht das für 2030, 2040, 2050?“ Treffe dies nicht zu, müsse die Expertise später auf dem Arbeitsmarkt eingekauft werden, „und das wird teuer“, warnte Dransfeld-Haase.

In einem der sich anschließenden Fachvorträge befasste sich der Münsteraner Wirtschaftsprofessor Thorn King ebenfalls mit der Personalentwicklung. Sein Rat: Wenn Unternehmen freiwilliges gemeinnütziges Engagement ihrer Mitarbeiter fördern, erhalten sie ein Vielfaches an Mehrwert zurück. Die soziale Kompetenz der Beschäftigten werde gestärkt, die Mitarbeiterbindung kräftiger und die Leistungsbereitschaft ebenso größer wie die Arbeitsmoral.

Das Spektrum des sozialen Engagements sei sehr groß. Als Beispiele nannte King das Reparieren von Spielgeräten in Kindergärten, Spielenachmittage für Kinder im Krankenhaus oder das Gestalten von Flyern und Internetseiten gemeinnütziger Organisationen. Wichtig für die Unternehmen sei, dass das Engagement zu ihnen passe, um glaubwürdig zu sein. „Sonst ist es nur Greenwashing“, sagte King. Daher sei eine Zusammenarbeit mit Unternehmen und Organisationen, die bereits über Erfahrungen mit sozialen Projekten verfügen, empfehlenswert.

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