Berlin. Es mangelt an Ladestationen und einfachen Bezahlsystemen. Die Bundesregierung will mit einem Masterplan die Schwierigkeiten beseitigen

Es ist ein Henne-Ei-Problem. Weil Ladesäulen fehlen, fahren bisher so wenige E-Autos. Weil nicht genug Elek­trofahrzeuge unterwegs sind, bauen Firmen nur eine kleine Zahl neuer Stromtankstellen. Diesen Kreis will die Bundesregierung nun durchbrechen. Ihr neuer „Masterplan Ladeinfrastruktur“ stand am Montagabend beim Treffen mit der Autoindustrie und der Gewerkschaft zur Diskussion. „Eine Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte“ soll demnach bis 2030 für rund zehn Millionen E-Fahrzeuge zur Verfügung stehen. 2021, 2022 und 2023 werden mindestens jeweils eine Milliarde Euro Fördermittel zusätzlich ausgelobt. Welche sind die größten Baustellen bei der Errichtung des Autostromnetzes?

Zu wenige E-Tankstellen

In ganz Deutschland gibt es laut Bundesnetzagentur augenblicklich nur gut 21.000 öffentliche Ladepunkte – für ca. 200.000 Fahrzeuge. Soll die Zahl der E-Autos deutlich steigen, muss es auch wesentlich mehr Ladestationen geben. Das gilt sowohl für die Schnellladestationen, die die Automobilhersteller bisher für die Autobahnen zugesagt haben, als auch die Über-Nacht-Zapfsäulen in den Städten. Bisher jedoch errichten Stadtwerke, Stromversorger und andere Firmen zu wenig Anlagen, weil ihre Kosten zu hoch und die Einnahmen zu niedrig sind. Während derzeit durchschnittlich zehn Fahrzeuge pro Tag an jeder Zapfsäule halten, müssten es mindestens 100 sein, um die Geräte zu finanzieren. Also sagt Katherina Reiche, die Geschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU): „Um künftig mehr Ladesäulen aufzustellen, ist auf absehbare Zeit noch eine staatliche Förderung nötig.“

Das sieht auch die Politik so. „Daher ist es notwendig, dass die Bundesregierung einen zunächst überproportionalen Aufbau von Ladeinfrastruktur ermöglicht“, heißt im Masterplan. Und teilweise sei auch „eine Finanzierung durch die öffentliche Hand notwendig“. Zudem sollen die Raststätten an den Autobahnen jeweils „mindestens vier Ladepunkte vorhalten“. Und für „alle Tankstellen in Deutschland“ peilt man eine „Versorgungsauflage“ an. Stromzapfsäulen werden damit zur Pflicht.

Steckdosen für Wohngebiete

In Einfamilienhäusern ist es kein Pro­blem. Die meisten Menschen leben allerdings in gestapelten Wohnungen. Dort ist es schwierig, ein E-Auto zu laden: Man kann nicht einfach ein Kabel aus dem Fenster hängen. Deshalb soll das Bundesjustizministerium noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf zur Änderung des Miet- und Wohnungseigentumsrechts vorlegen. Mieter und Besitzer von Eigentumswohnungen werden dann den Anspruch auf einen Stromanschluss erhalten, auch wenn die Vermieter oder anderen Eigentümer das ablehnen.

Komplizierte Zapfsäulen

Bei ihrem „Ladesäulencheck“ stellte die Stromfirma Lichtblick in diesem Sommer fest, dass es keine vollständige Karte gibt, auf der die Fahrer alle verfügbaren Stationen finden. So sei auch die Information, ob eine Anlage gerade frei oder besetzt sei, schwer oder gar nicht zu recherchieren. Künftig müssen Betreiber Schnittstellen für Internet-Kommunikation einbauen. Außerdem fordert Kerstin Meyer, Projektleiterin beim Institut Agora, einfachere Zugangs-und Bezahlsysteme. Passend dazu klagt der grüne Verkehrspolitiker Oliver Krischer: „Ich fahre selbst ein Elektroauto und besitze sechs verschiedene Abrechnungskarten und zehn Apps, um im Rheinland mit meinem Elektroauto halbwegs mobil zu sein.“ Dass es hier ein Problem gibt, scheint die Regierung zu sehen. Sie „strebt an, Authentifizierung, Bezahlsysteme und Roaming besser im Sinne des Verbrauchers zu regeln“.

Mehr Ökoenergie

Wind-, Sonnen- und Biomassekraftwerke liefern ein Drittel des Stroms. Kommen Millionen E-Autos hinzu, muss die Produktion stark zunehmen, damit es einen Ökovorteil gibt. Für Photovoltaikzellen gibt es noch Platz auf den Dächern der Städte. Aber Windräder auf den Feldern und im Wald? Der Protest nimmt zu. Zu dieser Baustelle fällt der Regierung nicht viel ein.