Wilke-Wurst auch an Salzgitteraner Kindergarten geliefert

Braunschweig.  Krankheits- und Todesfälle durch Listerien gibt es auch in unserer Region – ein Zusammenhang mit dem Wurst-Skandal ist aber bislang nicht bekannt.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Listerien auf der Oberfläche einer Zelle – gelb markierte Bakterien haben sich angeheftet, rot markierte dringen ein.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Listerien auf der Oberfläche einer Zelle – gelb markierte Bakterien haben sich angeheftet, rot markierte dringen ein.

Foto: Manfred Rohde / Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung / dpa

Nach dem Rückruf von Wurstwaren der Firma Wilke , die möglicherweise mit Keimen belastet sind, läuft die Suche danach auch in unserer Region auf Hochtouren. Wie die Vizepräsidentin des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Barbara Woltmann, am Mittwoch betonte, müssen mit hohem Aufwand anhand von Lieferlisten die Zwischenhändler und Endabnehmer ausfindig gemacht werden. Mit Hochdruck würden sämtliche der womöglich mit Listerien-Keimen belasteten Wurstwaren aus dem Handel , der Gastronomie und dem Zwischenhandel geholt und beseitigt.

Mehr als 1000 Firmen in Niedersachsen stehen auf den Lieferlisten. Von einem Großhändler im Kreis Peine zum Beispiel wurden 48 Betriebe beliefert, wie eine Kreis-Sprecherin am Mittwoch mitteilte – alle seien informiert worden. In Salzgitter etwa wurde laut einer Stadt-Sprecherin ein Kindergarten mit Wilke-Wurst beliefert. Die betroffenen Eltern sollten von der Kita informiert werden. Falls die Kinder bis Sonntag grippeähnliche Symptome entwickeln, sollten sie zum Arzt – mit dem Hinweis auf die Wurst der Firma Wilke.

Todesfall in Salzgitter

In Salzgitter starb im April nach Angaben der Stadt sogar ein Mensch nach einer Listeriose-Erkrankung. Dabei handelte es sich laut einem Sprecher des Landesgesundheitsamtes aber nicht um einen Fall, der mit dem hessischen Wurstproduzenten in Verbindung stehen könnte. Wie am Dienstag bekannt geworden war, fanden Behörden in Niedersachsen bei drei Erkrankten einen Keimtyp, der genetisch eng mit den Listerien verwandt ist, die in den Waren von Wilke nachgewiesen wurden.

Auch in den vergangenen Jahren hatte es in Niedersachsen Listeriose-Erkrankungen und Todesfälle gegeben; diese sind meldepflichtig. „Listerien sind Bakterien, die überall in der Umwelt vorkommen und weltweit verbreitet sind“, betonte die Sprecherin des Kreises Peine. Vor allem ältere, abwehrgeschwächte Personen seien betroffen. „Die Infektion erfolgt meist über tierische und pflanzliche Lebensmittel, häufig zum Beispiel über Rohmilch- oder Rohfleischerzeugnisse.“ Bei gesunden Menschen komme es sehr selten zu einer Erkrankung, die dann häufig harmlos verlaufe. Bei abwehrgeschwächten Menschen könne eine Listeriose-Erkrankung mit Fieber, Muskelschmerzen, Erbrechen und Durchfall einhergehen. „In seltenen Fällen kann es zu einer Hirnhautentzündung und Beteiligung weiterer Organe kommen.“

Drei Krankheitsfälle im Kreis Peine

Im Kreis Peine wurden seit Juli gleich drei Fälle gemeldet . „Inwieweit ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Produkten der Firma Wilke besteht, kann nicht gesagt werden“, so die Sprecherin. Es sei oft schwer zu erfahren, welche Produkte die Betroffenen in den vorangegangenen Wochen verzehrten. Die Quellensuche gestalte sich deshalb in den meisten Fällen schwierig.

In Wolfsburg und Gifhorn wurde nach Angaben der Kommunen in diesem Jahr jeweils ein Krankheitsfall gemeldet. In Gifhorn brachte die betroffene Person ihre Erkrankung mit Thunfisch aus der Dose in Verbindung; in Wolfsburg gibt es laut einer Stadt-Sprecherin keine Rückschlüsse auf die Ursache. In Braunschweig, Wolfenbüttel und Helmstedt sind nach Angaben der Kommunen zurzeit keine Fälle bekannt. Für den Kreis Goslar waren am Mittwoch keine Informationen zu erhalten.

Wilkes Waren werden mit zwei Todesfällen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den Geschäftsführer wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung sowie der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen Lebensmittelrecht. Das Unternehmen hat inzwischen vorläufige Insolvenz angemeldet.

Foodwatch will sämtliche Abnehmer veröffentlicht sehen

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) forderte am Mittwoch bundesweit einheitliche Lieferlisten – diese würden einen Rückruf in großem Umfang mit vielen Beteiligten erleichtern. Das Verwaltungsgericht Kassel wird in den kommenden Tagen über die Herausgabe von weiteren Informationen im Fall Wilke entscheiden. Die Verbraucherorganisation Foodwatch habe einen Eilantrag eingereicht, bestätigte ein Gerichtssprecher am Mittwoch. Foodwatch will den Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständige Behörde verpflichten, die Namen sämtlicher Abnehmer zu veröffentlichen, die zurückgerufene Waren von Wilke bezogen.

Foodwatch hatte wiederholt die Aufklärung und Krisenpolitik der Überwachungsbehörden im Fall Wilke kritisiert. Die Verbraucherschützer fürchten, dass noch keimbelastete Fleischwaren unerkannt in Umlauf sind und wollen deshalb den Weg in den Einzelhandel transparent machen. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) möchte nun die Lebensmittelkontrolle verstärken.

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