Sparkasse dünnt Filialnetz aus und streicht 140 Stellen

Hildesheim.  In Peine, Goslar und Hildesheim werden 24 Geschäftsstellen in SB-Filialen umgewandelt. Betriebsbedingte Kündigungen schließt das Geldinstitut aus.

Die Sparkasse an der Celler Straße in Peine.

Die Sparkasse an der Celler Straße in Peine.

Foto: Henrik Bode

Niedrigzins, zunehmende regulatorische Vorgaben und ein verändertes Kundenverhalten setzen den öffentlichen-rechtlichen Banken zu. Daraus zieht jetzt auch die Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine (HGP) Konsequenzen: Bis Ende 2022 will das Institut sein mit Mitarbeitern besetztes Filialnetz deutlich ausdünnen und 140 von 1000 Vollzeitstellen streichen. Zugleich kündigt sie an, die Geschäftsfelder Unternehmenskunden und vermögende Kunden auszubauen und eine Digitalisierungseinheit zu schaffen. „Wir bleiben Sparkasse“, betonte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Twardzik am Donnerstag in Hildesheim. „Wir haben nach wie vor ein starkes Filialnetz und bauen unser Beratungsgeschäft in den Filialen aus.“ Die Mitarbeiter der Sparkasse wurden am Mittwoch und Donnerstag über die Restrukturierung, der die Sparkasse die Überschrift „Zukunftsbild HGP 2022“ gegeben hat, informiert.

Von den derzeit 63 Geschäftsstellen wird lediglich eine Filiale geschlossen – in Oberg in der Gemeinde Ilsede im Kreis Peine. 24 Filialen, die heute mit Kundenberatern besetzt sind, sollen künftig in Selbstbedienungsfilialen (SB) umgewandelt werden. In sehr kleinen Geschäftsstellen könne die Sparkasse nicht mehr die Beratungsqualität sicherstellen, die die Kunden erwarteten, begründete die Sparkasse diesen Schritt. Außerdem werden sieben von derzeit 34 SB-Stellen, unter anderem in Klein Ilsede und Adenstedt im Kreis Peine sowie im Reha-Zentrum Oberharz, dem Rammelsberghaus und in Hahndorf im Landkreis Goslar geschlossen. Die Analyse der Standorte habe ergeben, dass die Auslastung dieser Filialen zu gering sei oder es in großer Nähe bereits eine SB- oder Geschäftsfiliale gebe. Das Filialnetz der Sparkasse schrumpft damit von 97 auf 89 Geschäfts- und SB-Stellen, 38 davon werden mit Mitarbeitern besetzt sein. „Die Analyse der Standorte ist mit hoher Verantwortung vorgenommen worden“, erklärte Vorstandsmitglied Dominikus Penners.

Die Sparkasse teilte mit, dass die Mitarbeiter der 24 Geschäftsstellen, die ab Mitte 2020 in SB-Filialen umgewandelt werden sollen, zum Teil in die übrigen Filialen wechseln. Doch die Schrumpfkur der Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine kostet auch massiv Arbeitsplätze: Von derzeit rund 1000 Vollzeitstellen sollen bis Ende 2022 laut Twardzik 140 Stellen gestrichen werden. Übrig bleiben also rund 860 Arbeitsplätze. Der Stellenabbau soll über Altersteilzeit, Abfindungen und andere sozialverträgliche Instrumente stattfinden. „Betriebsbedingte Kündigungen schließen wir aus“, erklärte Twardzik. Aktuell beschäftigt die Sparkasse laut Twardzik rund 1300 Mitarbeiter, die sich aber zum Beispiel wegen Teilzeitbeschäftigung auf die besagten 1000 Vollzeitstellen verteilen. Ende 2018 beschäftigte die Sparkasse noch 1392 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es 1664 Beschäftigte. Die Sparkasse hatte stets erklärt, dass es in Folge der Fusion zu einem Jobabbau kommen werde.

Um dem veränderten Kundenverhalten Rechnung zu tragen, will die Sparkasse ihre digitalen Angebote ausbauen. So soll etwa eine Digitalisierungseinheit unterhalb der Vorstandsebene aufgebaut werden, die digitale Themen weiterentwickeln und deren Einführung bei Mitarbeitern begleiten soll. Außerdem plant die Sparkasse einen Ausbau ihres Konzepts „Beratung direkt“. Seit Anfang März können dabei Privatkunden per Telefon, Video, Chat oder App Kontakt zu Beratern aufnehmen, künftig sollen auch Geschäftskunden diesen direkten Draht wählen können. „Wir haben jetzt schon 4000 Kunden, die diese Beratung nutzen. Es hat sich gut entwickelt“, sagte Vorstandsmitglied Michael Senft.

An weiteren Zahlen machte der Vorstand der nach eigenen Angaben drittgrößten Sparkasse in Niedersachsen deutlich, wie sich das Nutzerverhalten der Bankkunden ändert: So würden sie zum Beispiel 16 Millionen Mal pro Jahr die Internet-Filiale der Sparkasse besuchen, erledigten hingegen nur acht Millionen Mal Überweisungen oder ähnliches am Bankautomaten. Die Zahl der eingehenden Überweisungsträger pro Jahr sei mit 900.000 außerdem „verschwindend gering“, erklärte Penners. „Die Digitalisierung ist für uns ein Auftrag für die nächsten Jahre“, machte Senft deutlich. Die Sparkasse will, wie Senft erläuterte, außerdem die wachstumsstarken Geschäftsfelder Private Banking und Unternehmenskunden ausbauen. Für letzteres Kundensegment plant die Sparkasse nach eigenen Angaben den Aufbau einer eigenständigen Beratungseinheit.

Die Sparkasse verzeichnete 2018 eine Bilanzsumme von 7,3 Milliarden Euro und zählt rund 400.000 Kunden. Sie ist erst 2017 aus dem Zusammenschluss der Kreissparkasse Peine mit den Sparkassen Goslar/Harz sowie Hildesheim hervorgegangen. Dieser Konsolidierungstrend setzt sich in unserer Region fort: Zum 1. September dieses Jahres fusionierten die Sparkassen Gifhorn-Wolfsburg und Celle zu einem großen Institut. Auch hier sind Sparmaßnahmen angekündigt: Zusätzlich zu den 100 Mitarbeitern, die Gifhorn-Wolfsburg von 2016 bis 2021 abbauen will (in Celle waren 90 angekündigt), soll sich das Institut um 60 weitere Mitarbeiter bis 2023 sozialverträglich verkleinern. Die Braunschweigische Landessparkasse (BLSK) hat die Restrukturierung bereits hinter sich: Waren es laut BLSK 2013 noch 106 Filialen mit 920 Beschäftigten, arbeiten heute knapp 800 Mitarbeiter an 91 Standorten – davon sind allerdings mehr als die Hälfte SB-Filialen.

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