Matratzen Concord und Betriebsrat begraben Kriegsbeil

Braunschweig.  Der Matratzenhändler strengte mehrere Verfahren gegen den Betriebsrats-Chef an. Nun einigten sich beide Parteien „im besten Einvernehmen“.

Die Filiale von Matratzen Concord an der Frankfurter Straße in Braunschweig.

Die Filiale von Matratzen Concord an der Frankfurter Straße in Braunschweig.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de (Symbol)

Der Matratzen-Discounter Matratzen Concord hat sich außergerichtlich mit dem Vorsitzenden des Betriebsrats im Bezirk Braunschweig geeinigt. Das teilte die Gewerkschaft Verdi unserer Zeitung auf Nachfrage mit. Verdi hatte den Betriebsratsvorsitzenden in der Auseinandersetzung mit dessen Arbeitgeber unterstützt.

Demnach endet das Arbeitsverhältnis zum 30. September 2018 im „besten Einvernehmen“. Die zahlreichen Verfahren, die der Matratzenhändler gegen den Betriebsrats-Chef vor dem Arbeitsgericht Braunschweig angestrengt hat, seien zurückgenommen worden, ferner seien ausstehende Zahlungen erfolgt. Laut Gewerkschaft hängt der Sinneswandel des Unternehmens mit einem Geschäftsführerwechsel bei Matratzen Concord, das zur niederländische Gruppe „Beter Bed“ gehört, zusammen. Seit Anfang des Jahres hat dort Dario Marotta das Sagen, der zuvor Geschäftsführer bei der Modekette „Pimkie“ war. Er folgt auf Rainer Brockmöller, der zu der Bettenausstatter-Gruppe Euro-Comfort wechselte.

Im Juni 2016 hatte sich der bundesweit erste Betriebsrat des Konzerns in Braunschweig gegründet. In der Folge überzog der Matratzen-Händler den Betriebsratschef mit Abmahnungen, degradierte ihn vom Bezirksleiter mit elf Filialen zum Verkäufer und versuchte schließlich ihm zu kündigen – erfolglos. Offenbar versuchte der Konzern systematisch, die Gründung und Arbeit des Betriebsrats zu verhindern. Der Vorsitzende ist laut Verdi bis zu seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen freigestellt und erhält eine Abfindung. Matratzen Concord wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu dem Fall äußern.

Sebastian Wertmüller, Geschäftsführer im Verdi-Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen, bedauert, „dass letztendlich der geht, der lediglich als Betriebsrat die Interessen der Beschäftigten nach Recht und Gesetz vertreten hat.“ Er fordert außerdem einen besseren Schutz von Betriebsräten.

Der Matratzen-Concord-Betriebsrat für den Braunschweiger Bezirk existiert weiterhin. Stephan Oehler, bisher Stellvertreter, wurde zum Vorsitzenden der Arbeitnehmervertreter bestimmt. „Wir sind immer noch ein Dreier-Gremium“, sagt Oehler. Eine weitere Kollegin sei in den Rat nachgerückt. Bundesweit gibt es inzwischen zwei weitere Betriebsräte – einen in Augsburg, einen in Bremen. Im Saarland ist laut Oehler zudem einer in Gründung, zwei weitere Betriebsräte stünden an anderen Standorten in den Startlöchern. Die Zusammenarbeit mit der neuen Geschäftsführung bei Matratzen Concord bezeichnet Oehler als „deutlich angenehmer“. „Die Geschäftsführung will die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat positiv und konstruktiv gestalten. Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad.“ Über seinen Vorgänger sagt er: „Es ist schade, dass er nicht mehr da ist. Er war der Vorkämpfer.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder