Bodenstedterin: die Mongolei ist ein Augenschmaus

Bodenstedt.  Johanna Lies aus Bodenstedt ist beeindruckt von diesem asiatischen Land – von der Landschaft, von den Menschen und der Tierwelt.

Solche „Verkehrsteilnehmer“ gehören in der Mongolei zum alltäglichen Bild.

Solche „Verkehrsteilnehmer“ gehören in der Mongolei zum alltäglichen Bild.

Foto: Johanna Lies

Sie ist in Bodenstedt aufgewachsen und reist durch die Welt: Johanna Lies. Zuletzt ist sie mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren – und zwar auf der transmongolischen Strecke, die von der russischen Hauptstadt Moskau über Irkutsk (Russland) am Baikalsee bis in die chinesische Hauptstadt Peking führt. In ihrem siebten Bericht erzählt Johanna Lies nun von ihren Erlebnissen in der Mongolei:

„Raus aus der Stadt, rein ins Abenteuer: Mit dem Jeep fahren wir früh morgens raus aus der furchtbaren Stadt. Das Atmen wird angenehmer, weshalb wir nach den ersten 100 Kilometer halten, aussteigen und unseren Lungen volle Packungen saubere Luft gönnen.

Auch unsere Augen werden verwöhnt: Die Landschaft und die Weite der Mongolei ist ein Augenschmaus. Die Orte, an denen wir stoppen, brennen sich in unsere Köpfe, und keine Kamera dieser Welt könnte nur ansatzweise diese Natur festhalten. Wir sehen Nationalparks, in denen Wildpferde und Hirsche frei herumlaufen. Absolute Ruhe und unberührte Pflanzen umgeben uns.

Wir klettern auf Berge, meditieren auf den Steinen der Spitze und suchen verzweifelt unseren Jeep – letztlich wissen unsere Guides aber immer genau den Rückweg. Noch mehr fasziniert mich unser Jeep- Fahrer: Ich hätte keine Ahnung, welche Wege ich nehmen müsste. Für mich sieht jeder Feldweg gleich aus, jede Abzweigung ähnelt der anderen, ob er die Wege gezählt oder die Steine markiert hat, ist mir bis zum Ende schleierhaft – aber er bringt uns immer zu den gewünschten Zielen.

Von Seen über Wüsten bis zu den Monumenten: Abends stoppt der Jeep bei einer Nomaden-Familie – was manchmal schon an Zauberei grenzt, sie zu finden. Denn die Nomaden leben irgendwo in der freien Wildbahn und wechseln ihren Wohnort regelmäßig. Sie schlafen in großen Zelten mit normalerweise vier Betten. Gekocht, gegessen und gewaschen wird auch dort drin. Die Toiletten sind – wie in der ganzen Mongolei – ein Plumpsklo: „Die ganze Welt kann als Klo benutzt werden.“

Zur Begrüßung bei den Familien finden eine Reihe Traditionen statt, die mit einem kleinen Snack endet: Man reicht uns Milchtee – eine Mischung aus vielen Milchsorten, die gekocht und mit Milch und Zucker verfeinert wurden – und „Kekse“, die an frittiertes Hefegebäck erinnert. Wer will, kann noch einen Abendspaziergang auf den Kamelen der Familie machen. Ein märchenhaftes Erlebnis. Sobald die Sonne untergegangen ist, kühlt es von 30 Grad auf minus fünf Grad ab. Mit Winterjacke und Thermoschlafsack kuscheln wir uns deshalb relativ früh auf dem Boden der Zelte zusammen. Schließlich wollen wir fit für den nächsten Tag sein. Sportlichste Aktivität in dieser Zeit: Dünen erklimmen. Dümmste Idee: von ihnen wieder runter zu rutschen. Aber manchmal muss man einfach wieder Kind sein.

Die Dusche für die Zeit ist der See in einem der Nationalparks – deshalb kann ich mit Garantie sagen: Nach den Tagen in der Wildnis der Mongolei hinterlassen wir das ein oder andere Sandkorn in der Dusche des Hostels. Viel Zeit bleibt mir aber nicht zur Verarbeitung der Erlebnisse und zur Regeneration meiner Haut – denn das nächste Land wartet schon auf mich: China.

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