Bodenstedterin in der Mongolei: Das Essen ist der Horror

Bodenstedt.  Johanna Lies berichtet von ihrer zeitraubenden Einreise mit dem Zug aus Russland in die Mongolei.

An der russisch-mongolischen Grenze haben auf der russischen Seite Polizisten mit Hunden Kontrollen im Zug vorgenommen. 

An der russisch-mongolischen Grenze haben auf der russischen Seite Polizisten mit Hunden Kontrollen im Zug vorgenommen. 

Foto: Johanna Lies

Sie ist in Bodenstedt aufgewachsen und reist durch die Welt: Johanna Lies. Zuletzt ist sie mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren - und zwar auf der transmongolischen Strecke, die von der russischen Hauptstadt Moskau über Irkutsk (Russland) am Baikalsee bis in die chinesische Hauptstadt Peking führt. In ihrem sechsten Bericht erzählt Johanna Lies nun von ihren Erlebnissen an der russisch-mongolischen Grenze:

„Die spontanen Erlebnisse sind doch immer die besten, oder nicht? Als ich gestartet bin, wollte ich von Russland direkt nach China fliegen, die Mongolei auslassen. Ich hatte Angst vor der Grenzüberfahrt, und ich hatte noch nie etwas von der Mongolei gehört, was soll ich da eigentlich tun? Alle Reiseberichte waren von Gruppenerlebnissen – ich war allein. Doch Pläne waren dazu da, um täglich geändert zu werden.

In Russland habe ich ein paar Leute kennen gelernt – zusammen haben wir Pläne für die Mongolei geschmiedet. Also storniere ich kurzerhand mein Flugticket und kaufe stattdessen ein Zugticket am russischen Bahnhof. Allein das Kaufen war schon ein Erlebnis: Ohne jegliche Vorbereitungen geht es dann mit dem nächsten Zug in die Mongolei. Zum Glück habe ich kein Visum gebraucht.

Trotzdem habe ich Angst vor der Grenzkontrolle: Ausnahmsweise bin ich bei dieser Erfahrung jedoch nicht allein, sondern habe inzwischen Freunde an meiner Seite. Wir haben alle keine Ahnung, was uns bei der Grenzkontrolle erwartet, nur dass wir viel Zeit haben würden, uns gegenseitig Lebensgeschichten zu erzählen.

Dann geht es los: Der Zug hält auf der russischen Seite, alle Pässe werden eingesammelt und mit Ausreisestempel versehen. Mit Hunden läuft die Polizei durch die Waggons und kontrolliert die Taschen und blickt unter die Bettdecken. Nach der ganzen Prozedur steht der Zug „zur Sicherheit“ noch eine Stunde einfach still auf der russischen Seite. Zur doppelten Sicherheit ruht der Zug dann auch für einige Zeit auf der mongolischen Seite.

Glücklicherweise haben wir Uno (Kartenspiel) als Beschäftigung dabei. Offiziell sind wir nun „landlos“, denn weder in Russland, noch in der Mongolei sind wir für diese Zeit gemeldet. Nach der wohl 300. Uno-Runde geht das ganze Spiel wieder los: Pässe werden eingesammelt, Visum kontrolliert und Einreisestempel reingedrückt. Die Hunde laufen wieder durch die Waggons, inzwischen hätte man ja illegale Produkte in Zug schmuggeln können – ohne dabei den Zug zu verlassen.

Nach knapp sechs Stunden rollt der Zug endlich über die Gleise der Mongolei. Am frühen Morgen erreicht er die Hauptstadt Ulan Bator. In Gebiet Russland reisen großteils Einheimische mit der Transsibirischen Eisenbahn, aber spätestens ab dem letzten Halt in Russland (Ulan Ude) sitzen zu 90 Prozent nur noch Touristen in diesem Zug. Dementsprechend stehen am Bahnhof auch Tausende Mongolen, die einem Touren in der Mongolei verkaufen wollen. Wo würde man besser Touristen finden als am Bahnhof?

Am frühen Morgen rauben mir diese aufdringlichen Leute jeden Nerv, und auch die Innenstadt verbessert meine Stimmung nicht: Die Straßen sind dreckig, es ist laut. Die Menschen sind genervt und unfreundlich; meine Ohren schmerzen vom permanenten Gehupe der Autos und Motorräder. So einen schlimmen Verkehr habe ich noch nie erlebt!

Ich verstehe schnell, warum die meisten Touristen nach einer Nacht die Reise in die Weite der Mongolei beginnen. Das Essen in der Mongolei ist zudem der reinste Horror: Fleisch – pures Fleisch – und schrecklich gewürzt. Zum Glück habe wir eine Küche im Hostel, spielen „Das perfekte Dinner“ und meiden das lokale Essen. Aber schnell werden auch bei uns aus Plänen feste Ziele: Eine Reiseroute wird festgelegt, Proviant eingekauft, der Jeep getankt, die Schlafsäcke verstaut und der Guide über unsere Wünsche informiert. Jetzt konnte ja nichts mehr schief gehen, oder?“

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