„Islam gehört zu Deutschland“

Vechelde  Nasir El Bassam fordert aber wirksame Schritte gegen islamistischen Terror.

Professor Nasir El Bassam aus Vechelde ist ein weltweit gefragter Fachmann in Sachen erneuerbare Energien – und appelliert als Moslem für ein Miteinander der Religionen.Foto: Harald Meyer

Professor Nasir El Bassam aus Vechelde ist ein weltweit gefragter Fachmann in Sachen erneuerbare Energien – und appelliert als Moslem für ein Miteinander der Religionen.Foto: Harald Meyer

In Basra im Irak geboren, seit über 60 Jahren in Deutschland, als Experte in Sachen erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung global unterwegs: Professor Nasir El Bassam ist der Inbegriff für Weltoffenheit – und wirbt für Toleranz auch und insbesondere unter den Religionen.

Die Terroranschläge des „Islamischen Staats“ (IS) beherrschen die Medien. „Mehr als 99 Prozent der Opfer dieses islamischen Terrorismus’ sind allerdings Muslime“, erinnert El Bassam – selbst Moslem – und verweist auf die „weltweit rund 1,6 Milliarden friedlichen Muslime“. Der 78-Jährige aus Vechelde, der beabsichtigt, ein Buch herauszugeben, um mit „den Vorurteilen gegenüber dem Islam aufzuräumen“, zitiert Papst Franziskus: Dieser habe die „Gleichsetzung von Islam und Gewalt abgelehnt“ und hervorgehoben, dass „alle Religionen den Frieden wollen“.

El Bassam hält jedoch auch nichts von Schönfärberei und kommt zu der Erkenntnis: „Eindeutig liegen die Wurzeln des Terrors bei den islamistischen Fundamentalisten und Gruppierungen sowie ihren Ideologien.“ Der Dritte Weltkrieg, so die Überzeugung des Wissenschaftlers, „findet heute faktisch im Nahen und Mittleren Osten statt“.

Der Vechelder beruft sich auf eine Emnid-Umfrage und erklärt: „Die weitaus meisten Deutschen sehen sich in ihrem persönlichen Leben nicht durch den Zuzug von Flüchtlingen beeinträchtigt“ – dennoch müsse bei der Terrorbekämpfung gehandelt werden. „Mit strengeren Sicherheits- und Überwachungsstrategien alleine lässt sich in Deutschland das Problem aber nicht lösen.“ Ins Gericht geht El Bassam mit islamischen Organisationen und Verbänden in Europa und Deutschland, denn „die meisten von ihnen schweigen und haben bei der Terrorbekämpfung versagt“. Weiter: „Außer der gebetsmühlenartig vorgetragenen Wiederholung der Verdammung der Anschläge bieten sie wenig.“

El Bassam wünscht sich, dass „wir die Köpfe der Jugendlichen mit intelligenten Konzepten erreichen“. Dies erfordere auch in Deutschland eine „konsequente Kontrolle und Überwachung der islamistischen Bildungseinrichtungen, der Imame und deren Internetportale“. Zudem müssten die Eltern in die Pflicht genommen werden und ihren Kindern „Werte der Toleranz und Wertschätzung ziviler Gesellschaften und Demokratien vermitteln“.

Weiter fordert er die Ausbildung der Imame, Gemeindevorsteher und Religionslehrer in Deutschland – sie sollten ihren Mitgliedern darlegen, dass „sie dem Koran gemäß bei uns in Deutschland leben können“. El Bassam: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Christentum und Islam hätten „viele Gemeinsamkeiten“, beide Religionen könnten sich „gegenseitig bereichern“.

Scharf kritisiert er die westlichen Industrieländer wegen deren Waffenlieferungen in Krisengebiete. So versorge Deutschland einseitig die Peschmerga Barzanis mit Waffen aller Art – wohl wissend, dass diese Waffen für die Besetzung der benachbarten Gebiete vorgesehen und dort bereits eingesetzt worden seien. Diese Gebiete werden vorwiegend von Arabern und Türken des Iraks bewohnt. Damit ist El Bassam zufolge der nächste Krieg und die nächste Vertreibung programmiert, was die Spaltung des Iraks zur Folge habe. Dabei sei es die „schlagkräftige irakische Armee“, die den IS wirksam bekämpfe. El Bassam: „Der Irak wird den IS in diesem Jahr noch aus seinen eroberten Gebieten vertreiben.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder