Der Golfplatz als Arbeitsplatz

Edemissen  Die Greenkeeper mähen den Rasen in der Saison täglich. 600 Golfer nutzen den Platz regelmäßig. Auch 50 Kinder spielen Golf.

Sie arbeiten dort, wo andere ihre Freizeit verbringen – auf dem Golfplatz: Felix Ahrens, Oliver Kuschnerus, Jens Paschkowski und Ralf Ahrens sind die Greenkeeper des Golfclubs Peine-Edemissen. Sie pflegen nicht nur den Rasen der Golfer – in der Fachsprache „das Green“ – sondern auch die rund 80 000 Büsche und Bäume, die im Laufe der Jahre auf der rund 70 Hektar großen Fläche angepflanzt wurden.

Wenn Ralf Ahrens von „seinem“ Platz spricht, blitzen die Augen, dann ist er in seinem Metier – man könnte fast meinen, er kennt jeden Grashalm mit Namen. Ralf Ahrens ist seit 1998 Head-Greenkeeper. In der Saison werden die 18 Haupt-Greens täglich gemäht, auf vier Millimeter. Alle 14 Tage werden sie mit einem Vertikutierer gelüftet und hinterher gesandet. Ansonsten, sagt Ralf Ahrens, komme zu wenig Sauerstoff an die Wurzeln und die Pflanzen seien anfälliger für Krankheiten. „Das Wichtigste ist einfach die Bodenbelüftung.“ An mehreren Stellen des weitläufigen Platzes sind Senken und Sickertöpfe eingebaut, in denen überschüssige Feuchtigkeit aufgefangen wird. „Aufwendig – aber es lohnt sich“, betont der Greenkeeper.

Apropos weitläufig – bei einer 18-Loch-Runde legt ein Golfer 10 000 Schritte zurück. Laut Gesundheitsstatistik sei dies fast exakt das Pensum, um Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Bluthochdruck die Stirn zu bieten, erklärt Bärbel Desch, Pressesprecherin Golfclubs. „Golfen kann meditativ sein, stressbewältigend, kommunikativ“, wirbt sie für den Golf-Sport. „Für den einen ist es der Adrenalin-Kick, im Wettstreit mit den anderen den besten Score zu spielen, für den anderen ist es nur der Aufenthalt in der Natur, die Bewegung, das Beobachten der Tiere, das ,den Kopf freibekommen nach der Arbeit‘, was zählt. Jeder kann das so halten, wie es ihm gut tut.“

Die Greenkeeper sind nicht die einzigen Arbeitskräfte. Im Sekretariat gibt es zwei Sekretärinnen, die den größten Teil der schriftlichen Arbeiten erledigen, sich um Mitglieder und Gäste anderer Clubs kümmern. „Es muss ja alles verwaltet werden“, erklärt Bärbel Desch, „denn wir sind ja eigentlich ein richtiger Wirtschaftsbetrieb, der aber ehrenamtlich geleitet wird.“

Auf dem Platz gibt es auch eine Golfschule, die Head-Pro Uli Meier betreibt. „Er ist ausgebildeter Golflehrer und nebenbei beim Golfverband Prüfer für die neuen Golflehrer – was eine besondere Ehre ist“, erklärt die Pressesprecherin. Ein zweiter Golflehrer, Thomas Lejon, arbeitet in Teilzeit in Edemissen.

Zwei 450-Euro-Kräfte kümmern sich um die Feinheiten auf dem Platz, pflegen Blumenwiesen, Stauden und Beete. Alle anderen arbeiten ehrenamtlich – auch Platzwart Karl-Heinz Seffer, der den Ehrgeiz hat, in jedem Jahr etwas Neues, noch Schöneres zu schaffen.

„844 Mitglieder gehören zum Verein, davon spielten 600 regelmäßig“, nennt Club-Präsident Wolfhard Träue aktuelle Zahlen. 95 kamen im vergangenen Jahr dazu. Auch circa 50 Kinder trainieren regelmäßig auf dem Golfplatz. „Golf ist nämlich auch ein Sport für Kinder“, betont der Präsident. Bereits ab fünf Jahren könne das Spiel mit dem kleinen weißen Ball gelernt werden. Die Kinder trainieren in mehreren Gruppen, nach Alter und Leistungsstärke gestaffelt zu verschiedenen Zeiten in der Woche.

2,5 Millionen Euro sind seit den Anfängen auf dem Golfplatz verbaut worden. Es war 1988, als sich eine erste kleine Gruppe gebildet hatte, die ein Areal für einen Golfplatz suchte, erinnert Präsident Träue. Die Gemeinde Edemissen hieß sie im Rahmen der sanften Naherholung willkommen und aus Getreidefeldern und Kartoffeläckern wurde ein Golfplatz. „1992 war der Neun-Loch-Platz bespielbar und der Verein entwickelte sich so gut, dass 2002 die Erweiterung auf 18 Loch finanzierbar war“, so Träue weiter. Und auch weiterhin wird investiert. 2017 wurde für 180 000 Euro an das Restaurant ein Wintergarten mit 60 Quadratmeter Grundfläche und Fußbodenheizung angebaut. Eine 500 Quadratmeter große Terrasse schließt sich an den Wintergarten an. Das Restaurant ist nicht nur für Golfer, sondern für alle Besucher offen.

Dies wird die Hundefreunde unter den Golfern freuen: „Probeweise dürfen jetzt Hunde mit auf die Runde“, sagt die Pressesprecherin. „Natürlich nur an der Leine und erst einmal für ein Jahr.“

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