Vallstedt. Hunde müssen derzeit in Wald und Flur an die Leine. Ein Jagdpächter sagt, warum das so wichtig ist, und gibt Hundebesitzern einen Tipp.

Noch bis zum 15. Juli gilt in Feld und Flur die Leinenpflicht für Hunde. Michael Sehle, Jagdpächter in der Gemarkung Vallstedt, gibt dazu Auskunft. Zustande kommt die Spanne vom 1. April bis zum 15. Juli seiner Erklärung zufolge, weil dies die Brut- und Setzzeit in der freien Landschaft umfasst. In dem Rahmen benötigen Wildtiere besondere Ruhe und Schutz und sollten nicht gestört werden.

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Rehe sind beispielsweise hochtragend und können sich vor freilaufenden Hunden nicht oder nur schwer in Sicherheit bringen. Bodenbrüter wie Enten, Rebhühner und Fasane beginnen zu brüten und werden durch stöbernde Hunde aufgeschreckt. Hierdurch könne die Brut gefährdet oder im schlimmsten Fall vernichtet werden. „Das Wild stellt häufig die Versorgung des Nachwuchses ein, wenn es durch Hunde gestört wird, da es diese als eine Bedrohung wahrnimmt“, erklärt Michael Sehle.

Hundebesitzer riskieren Bußgelder bis zu 5000 Euro

Die Frage, was Tierbesitzer tun sollten, wenn es dennoch zu einem Riss kommt, beantwortet Sehle deutlich: „Zu einem Riss durch frei laufende Hunde darf es nicht kommen.“ Die Leinenpflicht sei im Niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung geregelt und gelte für die freie Landschaft, zu der auch Feld- und Waldwege gehörten. Wer dies als Halter nicht befolge, begehe eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet werden könne.

Einige Tiere, erklärt der Experte, benötigen besonderen Schutz, da sie bereits mit der Aufzucht ihres Nachwuchses beschäftigt sind – wie Feldhase, Fasan, Rebhuhn oder Feldlerche. Das Rehwild gebärt seine Jungen in der Schonzeit. Die genannten Arten stellen nur Beispiele dar. Sehle: „Besonderer Schutz wird in dieser Zeit generell von allen wildlebenden Tierarten benötigt.“

Vallstedter macht während der Leinenpflicht Übungen mit dem Hund

Auf die Frage, ob es Zeiten gibt, an denen Wild weniger aktiv ist, erklärt Sehle: „Es gibt Zeiten, in denen sich das Wild in seine Einstände, also Rückzugsbereiche zurückzieht.“ Dies sei der Fall, bevor es zur Nahrungsaufnahme ginge und sich dann wieder zurück auf die offenen Flächen ziehe, wie beim Rehwild. Dieses Verhalten sei aber nicht an feste Zeiten gebunden, sodass man generell damit rechnen müsse, Wild in der Nähe von Wegen anzutreffen.

Bevor Tilly jetzt ins Feld stürmt, muss sie an die Leine, denn andere Tiere dürfen jetzt nicht gestört werden.
Bevor Tilly jetzt ins Feld stürmt, muss sie an die Leine, denn andere Tiere dürfen jetzt nicht gestört werden. © FMN | Heike Heine-Laucke

Rehkitze werden in Wiesen von den Ricken abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht, erklärt Sehle. Heißt: Kitze, die im Grasbestand liegen, sind für das Auge nicht sichtbar, obwohl sie nur fünf Meter vom Weg entfernt liegen können. Andere Tierarten wie der Feldhase oder das Rebhuhn halten sich zur Aufzucht ihrer Nachkommen auf Feldern auf, sind aber aufgrund ihrer perfekten Tarnung schwer wahrnehmbar. Dadurch entsteht häufig der Irrglaube, dass sich auf einer solchen Fläche kein Wild aufhält. „Ein Hund würde dort für junge Tiere eine tödliche Gefahr darstellen, da sie sich auf ihre Tarnung verlassen und nicht flüchten“, betont Sehle.

Rehkitze müssen in der Brut- und Setzzeit geschützt werden. (Archivfoto)
Rehkitze müssen in der Brut- und Setzzeit geschützt werden. (Archivfoto) © Jägerschaft Salzgitter

Sein Tipp für Hundebesitzer: „Ich selbst fahre in dieser Zeit mit meinem angeleinten Hund gerne mit dem Fahrrad oder beschäftige ihn mit Sucharbeiten und Apportierübungen auf dem Grundstück zu Hause“. Hierdurch würde er körperlich und kopfmäßig sehr gut ausgelastet. Zum Thema Schleppleinen sagt Michael Sehle: „Diese sollten nicht zu lang sein, da sie dem Hund sonst ermöglichen, trotzdem an abgelegte Jungtiere oder am Boden befindliche Nester, die sich in der Nähe von Wegen befinden, zu gelangen“.

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