„Gesund aufwachsen“ – Peiner Kreistag streitet ums Geld

Peine.  Die Politik fordert die Teilnahme an diesem Landesprogramm: Mehrheitlich verlangt sie, dafür eine Vollzeitkraft einzustellen.

Bei dem Landesprojekt Peine„Gesund aufwachsen für alle Kinder“ geht es um das Kindeswohl, das viel zu oft bedroht ist.

Bei dem Landesprojekt Peine„Gesund aufwachsen für alle Kinder“ geht es um das Kindeswohl, das viel zu oft bedroht ist.

Foto: Patrick Pleul / dpa

„Gesund aufwachsen für alle Kinder“ – diese Forderung, zugleich Titel eines Landesförderprogramms, stößt im Peiner Kreistag auf ungeteilte Zustimmung. Und dennoch gibt es eine kontroverse Debatte, bei der es um eines geht: ums Geld.

Mit dem Programm „Präventionsketten Niedersachsen: Gesund aufwachsen für alle Kinder“ – so der vollständige Name – sollen die Jugendhilfen der Kommunen (also auch des Landkreises Peine) die Kinder und Familien in „belasteten Lebenslagen“ nicht nur befristet und in bestimmten Situationen unterstützen, sondern sie längerfristiger begleiten und an ihrem Lebensort erreichen. Um in den Genuss der Landesförderung zu kommen, muss die Kreis-Jugendhilfe ein Konzept erstellen, das das „gelingende Aufwachsen“ der Kinder bis zu zehn Jahren gewährleistet – einzubeziehen sind dabei auch andere wichtige Kreis-Fachdienste, zu beteiligen sind freie Träger und Initiativen. Aus Sicht der Kreisverwaltung ist es notwendig, dafür einen Netzwerkkoordinator mit einer Vollzeitstelle einzustellen – und zwar für die Dauer des Projekts von drei Jahren.

Mit insgesamt knapp 200.000 Euro beziffert die Kreisverwaltung die Bruttokosten für diese dreijährige zusätzliche Stelle. Dazu sagt Hans-Werner Fechner (CDU), Vorsitzender des Kreis-Jugendhilfeausschusses: „Wir wollen das Projekt ,Präventionsketten’, aber wir wollen es billiger.“ Statt eine zusätzliche Kraft einzustellen, sollten vorhandene Mitarbeiter der Landkreisverwaltung – nach entsprechenden internen Fortbildungen – sowie Honorarkräfte dieses Thema umsetzen. Fechner schätzt dafür die Ausgaben auf „20.000, 30.000 Euro“ – statt der rund 200.000 Euro.

Katrin Esser-Mönning (SPD) zeigt sich erstaunt über den CDU-Vorstoß, denn der Kreis-Jugendhilfeausschuss habe sich einstimmig, also mit den Simmen der CDU, für das Projekt und die Vollzeitstelle ausgesprochen. Anhand der vorhandenen Zahlen „haben wir festgestellt, dass wir bei diesem Thema steckengeblieben sind: Wir brauchen einen Input von außen – also die besagte Stelle“, macht sie deutlich. Ilse Schulz (FBI) hingegen spricht von einer „Stellenaufblähung beim Landkreis, die seit Jahren kritisiert wird“. Sollte es mit dem geplanten Klinikum-Kauf durch den Landkreis Peine etwas werden, „soll die Gemeinde Ilsede dafür einmalig 770.000 Euro zahlen“, meint die Groß Ilsederin. Der Landkreis müsse sich angesichts des Klinikum-Projekts anderswo beschränken, sonst „schwindet die Solidarität mit dem Krankenhaus“. Auch Christoph Hauschke (Piraten) spricht sich gegen die weitere Stelle aus und meint: „Alle Daten zu dem Thema liegen doch schon vor.“ Die Kreissozialdezernentin Andrea Friedrich spricht sich für das „sinnvolle und notwendige Programm ,Präventionsketten Niedersaschen’“ mitsamt der Vollzeitstelle aus: Auch in Corona-Zeiten müsse die Gesellschaft alles gegen Kindeswohlgefährdung und erinnerte: „Lange ist es ruhig gewesen im Peiner Frauenhaus, aber jetzt ist es wieder voll belegt.“

Mehrheitlich ist der Kreistag der Empfehlung der Kreisverwaltung gefolgt, am über drei Jahre angelegten Programm „Präventionsketten Niedersachsen: Gesund aufwachsen für alle Kinder“ teilzunehmen und dafür einen Netzwerkkoordinator von außen mit einer Vollzeitstelle einzustellen.

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