Casanovas Auferstehung in Lengede

Peine  Ein Raunen geht durch den Festsaal des Bürgerhauses, als Andreas Jäger von Casanovas erster Liebesnacht – „mit zwei Schwestern, mein Gott“ – berichtet

Die zierliche Elisabeth Bartscher an der Harfe und der baumlange Andreas Jäger als Casanova gestalteten den vergnüglichen Abend.

Die zierliche Elisabeth Bartscher an der Harfe und der baumlange Andreas Jäger als Casanova gestalteten den vergnüglichen Abend.

Foto: Rainer Heusing

Giacomo Casanova, der vermeintlich größte Liebhaber aller Zeiten, ist seit mehr als 200 Jahren tot. „Aber wie sie heute erleben, bin ich unsterblich“, sagt Andreas Jäger, während er von Tisch zu Tisch geht.

Der Schauspieler aus Braunschweig lässt den Schwerenöter auferstehen. In Kostüm – Brokat-Jacke über der weißen Bluse – und weißer Perücke, die hinten mit einer schwarzen Schleife endet, reist der 1,90 Meter große Mann durch die Region und erzählt amouröse Anekdoten aus dessen Leben.

Der Kulturverein Lengede hatte zu einem „vergnüglichen Abend mit Casanova“ eingeladen. 80 Gäste, zwei Drittel davon Frauen, waren gekommen. Sie bekamen prickelnde Erotik, vorgetragen von Andreas Jäger, erlesene Speisen, zubereitet und aufgetragen vom hurtigen Personal des Landhotels Staats, serviert. Zum Vier-Gänge-Menü spielte Elisabeth Bartscher aus Söhlde zarte Klänge auf der Volksharfe.

Aus Casanovas Memoiren, die dieser in zwölf Bänden niedergeschrieben hat, geht hervor, dass er 1764 seine schönsten Wochen in Braunschweig und Wolfenbüttel verbracht haben soll. In Lengede ist er jedoch nie gewesen.

Da wurde es sozusagen höchste Zeit, dass Casanovas Botschaft, die sich in dem Satz „Das Leben ist lebenswert“ zusammenfassen lässt, auch in den Kreis Peine getragen wird. Die Idee dazu war Peter Ulmann (73), seit 13 Jahren Vorsitzender des Kulturvereins Lengede, gekommen, als er auf einer Reise dieser Vereinigung in Apolda (Thüringen) einen Goethe-Darsteller erlebt hatte.

Andreas Jäger gibt den Casanova als Kavalier: charmant, mit guten Manieren, nie schlüpfrig oder gar anzüglich frech. Er möchte den Schauspielersohn, der eigentlich Priester werden wollte, vorstellen – „den Casanova, der voller Lebenslust durch ganz Europa zog, der die Staatslotterie in Frankreich gründete, der gekrönte Häupter traf und ohne Scham liebte“.

Zum Schluss seines Auftritts wünschte Andreas Jäger jedem seiner Gäste, „in die Arme eines geliebten Menschen zu sinken, um die Freuden der Liebe zu erwecken und mit den Funken der Lust ein Feuerwerk an den nächtlichen Himmel zu malen“. Dieser Satz hätte auch von Casanova stammen können, obwohl der immer versichert hat: „Meine Geschichten sind frei erfunden.“

Das Publikum im Bürgerhaus dankte mit stürmischem Beifall.

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