Berlin/Washington D.C. Der Abrams X wird als künftige Wunderwaffe gefeiert. Doch was kann der neue US-Panzer wirklich? Viele Experten sind skeptisch.

Als General Creighton W. Abrams Jr. im September 1974 starb, hatte sich die US Army bereits aus Vietnam zurückgezogen. Abrams selbst hatte zeitweise die US-Kräfte im Vietnamkrieg befehligt und später die Nixon-Doktrin umgesetzt. Nach ihm ist die Panzergeneration M1 Abrams benannt, die seit den 1980er-Jahren von der US Army eingesetzt wird.

Seitdem ist viel passiert, und der Ukraine-Krieg zeigt die Herausforderungen für moderne Panzer auf. Ein neues Panzermodell soll den USA helfen, den nächsten Schritt zu gehen.

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Abrams X: Panzer mit KI-Unterstützung – aber kein autonomes Feuern

Mit dem neuen Ableger soll der M1 jetzt in Welten vorstoßen, die zu Zeiten von General Abrams allerhöchstens als Ideen aus Science-Fiction-Romanen akzeptiert worden wären. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) soll der Panzer in der Lage sein, Gefahren frühzeitig zu erkennen – schneller als ein Mensch. Dazu soll er mit unbemannten Luftfahrzeugen, also beispielsweise Drohnen, kommunizieren können, um über anrückende Gegner informiert zu sein.

Auch bei der Entscheidungsfindung, also der Priorisierung von Gegnern, der Auswahl der Munition und der Zielerfassung soll die KI die Soldatinnen und Soldaten im Abrams X unterstützen. Nur selbst feuern, das soll der neue Superpanzer nicht können. „Am Ende trifft ein Mensch – der Kommandant des Fahrzeugs – die Entscheidung, ob und womit er angreift“, betonte Tim Reese, Direktor für die US-Geschäftsentwicklung von Herstellerfirma General Dynamics, gegenüber der „Washington Post“.

Neuer KI-Panzer der US Army hat weniger Gewicht und weniger Personal

Neben den Neuerungen in der Software soll sich der Panzer auch nach außen verbessern. Dafür soll der Abrams X zunächst abspecken: Der aktuelle M1A2 kann bis zu 78 Tonnen wiegen. Ein erster Abrams-X-Prototyp, den General Dynamics schon 2022 auf einer Messe präsentierte, war mit 49 Tonnen deutlich leichter unterwegs. Hier war die Panzerung allerdings noch nicht vollständig vorhanden.

Auch die Besatzung soll reduziert werden. Zur Bedienung des Panzers sollen künftig nur noch drei Personen nötig sein, bisher waren es vier. Diese Soldatinnen und Soldaten sollen sich außerdem nicht mehr im Turm des Panzers befinden, sondern in der Wanne. Zusammen mit einer stärkeren Panzerung gegen Angriffe von oben soll dies die Sicherheit der Besatzung verbessern.

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Ist der Abrams X ein Wunderwerk der Technik oder überteuerte Augenwischerei?

Ob diese Änderungen aber tatsächlich reichen, um den M1 Abrams X zu einer Wunderwaffe zu machen, die der US-Army hilft, gegen potenzielle Bedrohungen aus Russland oder China zu bestehen, ist fraglich. Waffenexperte Bill Hartung äußerte gegenüber der „Washington Post“ Zweifel, ob der AbramsX tatsächlich die Wunderwaffe sei, die seine Hersteller versprechen.

Denn hochtechnologische Kampffahrzeuge haben eben auch Schwächen. Sie sind wartungsintensiver, teurer und häufiger von technischen Ausfällen betroffen. Der US Army sind diese Probleme bekannt, schon der hochmoderne F-35-Kampfjet kämpft mit ihnen. Auch die KI kann Probleme machen. Wenn die Datenlage schlecht ist, kann dies zu schlechteren Entscheidungen führen.

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Unklar, ob Panzer in der Zukunft eine Rolle spielen

Zuletzt bleibt fraglich, welche Rolle Panzer in den Konflikten der Zukunft überhaupt spielen sollen. Mark Cancian, Ex-Marine und Berater des Thinktanks Center for Strategic and International Studies, sieht es als unklar an, ob der Abrams X überhaupt vom US-Verteidigungsministerium freigegeben wird. Denn ein Krieg mit China würde hauptsächlich in der Luft und im Wasser geführt, der Abrams X stünde nutzlos auf dem Festland.

1972 zog sich General Abrams aus dem aktiven Geschehen in Vietnam zurück und wurde zum Chief of Staff ernannt. Über 50 Jahre später entscheidet sich nun, ob es auch für die nach ihm benannte Panzerreihe Zeit wird, den Rückzug anzutreten – oder ob sie doch noch die Zukunft des Landkampfes einläutet.