Berlin. Über drei Jahre haben Forscher in Südafrika Strände durchkämmt, auf der Suche nach einem winzigen Goldmull. Jetzt wurden sie fündig.

Es dürfte ein wenig gewesen sein wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Mehr als drei Jahre lang hat ein Forscherteam versucht, einen für ausgestorben gehaltenen Goldmull aufzuspüren. Genauer gesagt: De Wintons Goldmull (Cryptochloris wintoni). Das etwa hamstergroße Tier hat ein seidiges, schimmerndes Fell, ist blind und buddelt sich wie ein Maulwurf durch den Sand, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Es „schwimmt“ gewissermaßen durch den Boden.

Dazu ist De Wintons Goldmull extrem scheu und kann Vibrationen an der Oberfläche mit seinem sehr sensiblen Gehör wahrnehmen. Wer sich mit bloßem Auge auf die Suche macht, hat kaum eine Chance, Cryptochloris wintoni will schließlich nicht gefunden werden. So gut ist das Tier an seine Umgebung angepasst, dass es zum letzten Mal im Jahr 1936 gesichtet wurde.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von einem externem Anbieter, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

De Wintons Goldmull: „Möglicherweise ausgestorben“

Seither gab es keine Spur vom possierlichen Goldmull mehr. Die Rote Liste der bedrohten Arten führte ihn als „bedroht“ und „möglicherweise ausgestorben“. Trotzdem – oder gerade deshalb – haben sich Fachleute auf die beschwerliche Suche gemacht. Sie wurden fündig, Cryptochloris wintoni existiert noch, an den Stränden rund um die kleine Hafenstadt Port Nolloth, an Südafrikas Westküste.

Das könnte Sie interessieren: Forscher beweisen – Ausgestorbene Tierart existiert doch

Die Suche der Forscher von der Nichtregierungsorganisation Endangered Wildlife Trust (EWT) und der Universität Pretoria darf wohl als Paradebeispiel für Durchhaltevermögen gelten. Seit 2021 hat das Team nach dem kleinen Tier geforscht. Jeden Tag hätten sie „bis zu 18 Kilometer des in die Dünen vergrabenen Lebensraums“ durchsucht, berichtete Esther Matthew vom EWT der Nachrichtenagentur AFP.

Über 100 Bodenproben nahmen die Forscher, analysierten sie und konnten schließlich feststellen, dass sich nicht nur De Wintons Goldmull durch ihr Suchgebiet wühlte, sondern auch drei weitere Goldmull-Arten.

Goldmull-Suche war „wie ein Krimi“

Unterstützung bekam das Team dabei von einer tierischen Helferin: Border Collie Jessie. Die Spürhündin versteht sich auf das Erschnuppern von Goldmullen, begleitete die Forscher und führte die Suchenden schließlich zu den verborgenen Tunneln des güldenen Mulls.

„Ich war überzeugt davon, dass es nur die richtige Suchmethode, das richtige Timing und ein leidenschaftliches Team benötigte“, sagte Cobus Theron vom EWT in einer Mitteilung.

Seidig schimmerndes Fell, perfektes Gehör, extrem scheu: De Wintons Goldmull will nicht gefunden werden.
Seidig schimmerndes Fell, perfektes Gehör, extrem scheu: De Wintons Goldmull will nicht gefunden werden. © AFP | NICKY SOUNESS

„Das war wie ein Krimi“, sagte Forscherin Matthew der AFP. Der Lohn ihrer Arbeit ist nicht nur ein letzten Endes abstrakter DNA-Beweis für die fortwährende Existenz von Cryptochloris wintoni: Das Team bekam den entschwundenen Mull vor die Linse. Zwei putzige Exemplare konnte es auf Videoaufnahmen und Fotos bannen.

Jetzt, „da wir wissen, dass der kleine Goldmull noch existiert, wissen wir, dass wir ihn noch retten können“, freute sich Tierschützer Devin Murphy. Seine NGO Re:Wild hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach von seit langem vermissten Tierarten zu suchen. (mit AFP)