Hannover. Und möchte Mieze nicht doch lieber Fisch statt Gemüse? Auch Hundeprofi Martin Rütter hat seine Meinung zur veganen Ernährung geändert.

Im Rahmen des Veganuary haben im Januar 2024 weltweit 25 Millionen Menschen eine vegane Ernährung ausprobiert. Die Zahl ergebe sich aus Umfragen des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ in mehreren Kampagnenländern und der Berechnung der internationalen Organisation auf Basis aktueller Bevölkerungsschätzungen der jeweiligen Länder, teilt Veganuary Deutschland mit. „Wir erleben einen Veganuary-Boom. Der Januar 2024 geht als erfolgreichster Monat in die mittlerweile mehr als zehnjährige Geschichte des veganen Neujahrsvorsatzes ein“, wird Christopher Hollmann, Leitung Veganuary Deutschland, in der Pressemitteilung der Organisation zitiert.

Ein Miniatur-American-Shephard springt über ein Hindernis.
Ein Miniatur-American-Shephard springt über ein Hindernis. © picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Tierwohl, Klima- und Umweltschutz, Gesundheit – es gibt viele Gründe, sich rein pflanzlich zu ernähren. Laut des aktuellen Ernährungsreports des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind derzeit acht Prozent der Menschen in Deutschland Vegetarier. Zwei Prozent leben vegan. Das heißt, sie verzichten auf jegliche Art von tierischen Erzeugnissen. Tendenz steigend. Verständlich, dass auch der Wunsch, die eigenen Haustiere vegan zu ernähren, zunimmt. Ob man Hund und Katze rein pflanzlich ernähren kann, fragten wir drei Experten.

Ein wenige Wochen altes Kätzchen ist in einem Garten zwischen Gänseblümchen auf Erkundungstour.
Ein wenige Wochen altes Kätzchen ist in einem Garten zwischen Gänseblümchen auf Erkundungstour. © picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Katzenverhaltenstherapeutin Birga Dexel: Katzen brauchen tierische Fette und Proteine

„Nein, eine Katze kann man nicht vegan ernähren“, sagt Katzenexpertin Birga Dexel („Hundkatzemaus“, Vox) vom Cat Institute Birga Dexel klipp und klar und fügt mit Blick auf Massentierhaltung und Tierleid hinzu: „Schweren Herzens.“ Sie wünschte sich, dass Katzen nicht die Hypercarnivore, also reinen Fleischfresser, wären, die sie nun mal seien. „Alle Feliden sind von der Evolution her aber auf Fleischfressen getrimmt“, sagt Dexel, die auch ausgebildete Ernährungsberaterin für Menschen und selbst Veganerin ist und ihre Katzen nie fleischlos ernähren würde. „Die Zukunft, wie ich als Veganerin damit leben kann, dass meine Katzen Fleisch fressen, sehe ich im Laborfleisch, im In-vitro-Fleisch, also Fleisch aus tierischen Zellen“, spricht sie ihre Hoffnung aus. Denn Katzen bräuchten tierische Proteine und tierische Fette. „Das sind die Grundsteine kätzischer Ernährung.“ Die international anerkannte Katzenverhaltenstherapeutin erklärt: „Der Stoffwechsel von Katzen ist sehr speziell. Daraus ergeben sich bestimmte Bedürfnisse. Sie können etwa – anders als der Hund – die essenzielle Aminosäure Taurin nicht selbst synthetisieren, sondern benötigen dafür tierische Quellen.“

Katzenexpertin Birga Dexel.
Katzenexpertin Birga Dexel. © Cat Institute Birga Dexel | Andreas Friese

Dexel: Vegan ernährte Katzen machten auf sie keinen guten Eindruck

In ihrer jahrelangen Praxis habe Dexel keine vegan ernährte Katze gesehen, die einen guten Eindruck gemacht habe. Im Gegenteil: „Die Katzen hatten stumpfes Fell, waren abgemagert und einige hatten eine Leckalopezie, einen krankhaft gesteigerten Putztrieb.“ Katzen vegan zu ernähren, halte sie „für tierschutzwidrig“, macht sie deutlich.

Britische Studie nicht überzeugend

Auch eine neue britische Studie, die eine vegane Ernährung von Katzen nicht ausschließt, überzeugt Dexel nicht. „Sie basiert nicht auf Erkenntnissen von Tierärzten oder objektiven Laborwerten, sondern ausschließlich auf Halterbefragungen, zum Beispiel wie sie die Gesundheit ihrer Katze einschätzen.“ Darüber hinaus existierten noch keine Langzeitstudien und keine aussagekräftigen Vergleichswerte.

Dexel befürchtet bei Katzen Langzeitschäden durch vegane Ernährung. „Nicht nur am Körper, sondern auch an der Seele, was Verhaltensauffälligkeiten angeht. Denn Verhalten und Ernährung liegen nah beieinander“, sagt sie und verweist als Beispiel auf Katzen, die unsauber werden durch eine chronische Niereninsuffizienz oder sogar schon in jungen Jahren Blasensteine (Struvit) bekommen, oft als Folge nicht artgerechter Ernährung. „Das würde ich auch bei langfristig vegan ernährten Katzen befürchten“, sagt Dexel. Ihr Fazit: „Wenn ich als Veganer meine Katzen nicht mit Fleisch ernähren möchte, dann ist die logische Konsequenz, mit Haustieren zu leben, die kein Fleisch benötigen.“

Hundeexperte Martin Rütter hat seine Meinung geändert

Seine Meinung über vegane Ernährung für Hunde hat Hundeexperte Martin Rütter („Der Hundeprofi“, Vox) dagegen inzwischen geändert. „Über das Thema habe ich mich früher echt gerne amüsiert und es wirklich auch nicht ganz ernst genommen. Gleichzeitig bin ich aber auch ein Typ, der Dinge immer wieder hinterfragt, und ich habe auch kein Problem damit, es zuzugeben, wenn ich Stuss geredet habe“, sagt er: „Heute finde ich, dass das ein Punkt ist, den man angehen sollte.“ Rütter, der sich selbst seit einiger Zeit vegan ernährt, habe sich die Frage gestellt, „wie in Ordnung es ist, wenn ich mir ein Tier halte, das andere Tiere frisst und damit Tierleid fördert. Und Hundefutter kommt in der Regel aus der Massentierhaltung.“ Das sei „ein total moralisches Problem: Ich MUSS ja nicht mit einem Hund zusammenleben. Aber ich möchte es, weil es mich glücklich macht. Und mein Glück und das Glück meines Haustiers kann ich ja nicht über das Leid anderer Tiere stellen. Deswegen finde ich den reinen Gedanken, einen Hund vegan ernähren zu können, erstmal spannend“, sagt Rütter.

Hundeexperte Martin Rütter.
Hundeexperte Martin Rütter. © FMN | AlexStiebritz Amix Studio

Wenn er ein veganes Hundefutter herzustellen hätte, würde er – mit Blick auf artgerechte Ernährung – darauf achten, „dass die Nährstoffe, die das Fleisch enthält und die der Hund braucht, bestmöglich ersetzt werden“. Und selbstverständlich müsse das Ganze wissenschaftlich fundiert sein. Grundsätzlich sei die optimale Ernährung für einen Hund eine, die alle wichtigen Nährstoffe enthalte. „Man muss sich aber auch die Frage stellen: Entwickelt mein Hund Spaß beim Essen, kann er es wirklich schlingen? Denn auch das trägt zum Wohlbefinden bei. Ein Futter, das während es gekaut wird, förmlich zu Staub zerfällt, ist für mich deswegen keine Option“, sagt Rütter.

Tierärztin Dr. Cristina Ullrich von der Tierärztlichen Hochschule Hannover: Langzeitstudien abwarten

Dr. Cristina Ullrich vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover pflichtet Dexel und Rütter bei. Während es „im Prinzip rechnerisch möglich“ sei, Hunde vegan zu ernähren, sei dies bei Katzen deutlich komplizierter, erläutert die Tierärztin, deren Schwerpunkt das Thema Ernährung bei Hund und Katze ist. Ein Blick auf die Domestikation helfe: In deren Verlauf – seit etwa 17.000 Jahren – sei der Hund abhängig von menschlichen Essgewohnheiten geworden. Fleisch habe nicht immer zur Verfügung gestanden. Daher habe der Hund als Essensreste hauptsächlich Getreide- und auch mal Milchprodukte bekommen. Über die Jahrhunderte habe sich so sein Stoffwechsel angepasst. „Der Hund kann aufgrund dessen pflanzliche Stärke viel besser verdauen. Damit ist er nicht mehr vergleichbar mit dem Wolf.“ Er sei heute als Fleisch-Allesfresser zu betrachten, als Omnicarnivore. Das bedeutet, dass er pflanzliche Kost fressen kann, aber nicht ausschließlich.

Tierärztin Dr. Cristina Ullrich.
Tierärztin Dr. Cristina Ullrich. © FMN | Privat

Der Stoffwechsel der Katze ist „auf die Verarbeitung von kleinen Beutetieren angepasst“

Die Katze dagegen habe zwar auch in der Gesellschaft von Menschen gelebt, sich aber weitestgehend unabhängig ernährt – von Mäusen und Vögeln als Hauptnahrungsquelle. „Ihre Verstoffwechselung ist heute immer noch in hohem Maße auf die Verarbeitung von kleinen Beutetieren angepasst“, sagt Ullrich. Darum gelte sie als reiner Fleischfresser und könne pflanzliche Stärke nicht so gut verdauen wie der Hund. Eine ausgewogene Ernährung richte sich danach, ob der Bedarf an Nährstoffen gedeckt sei. Bei pflanzlicher Ernährung fehlten beim Hund etwa Aminosäuren, bei der Katze zusätzlich Vitamine oder bestimmte Fettsäuren, die nur in tierischem Gewebe vorkommen. Diese müssten dem Bedarf entsprechend unbedingt in der veganen Ration ergänzt werden. Zudem muss die pflanzliche Kost – vor allem die Proteine – für Hund und Katze verwertbar sein. Die Proteine müssten folglich bearbeitet werden, damit sie vom Tier aufgenommen und danach verwertet werden können, zum Beispiel durch Erhitzung.

Risiko von zu wenig Nährstoffen

Wer seinen Hund vegan ernähren wollte, sollte sich unbedingt beraten lassen, etwa von einem Fachtierarzt für Tierernährung, und darauf achten, dass er die Ernährung schrittweise umstelle, damit sich die Verdauung anpassen könne, so Ullrich. Bei Katzen hingegen sei das Risiko einer Nährstoffunterversorgung durch vegane Ernährung noch zu groß. Ullrich warnt: „Mangelernährung macht sich mitunter erst nach sehr langer Zeit bemerkbar.“

Halter müssen sich an Tierschutzgesetz halten

Grundsätzlich sei der Halter laut Tierschutzgesetz dazu verpflichtet, sein „Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren“. Bis Ergebnisse von Langzeitstudien vorhanden seien, könnten Hundehalter den Mittelweg wählen und den Anteil an Fleisch-Bestandteilen reduzieren, die Proteinversorgung etwa durch Milch oder Ei ergänzen. „Eine rein pflanzliche Ernährung bei Hund und Katze würde ich derzeit nicht vorbehaltlos empfehlen“, betont Ullrich.

Lesen Sie auch zu diesem Thema:

Fakten und Infos:

Tierschutzgesetz, § 2: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, ... 3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Martin Rütter gastiert mit seinem aktuellen Programm „Der will nur spielen“ am Donnerstag, 3. April 2025, 20 Uhr, in der Volkswagen-Halle in Braunschweig.

Mehr Infos:
birgadexel.com
martinruetter.com
tiho-hannover.de

Dieser Artikel erschien erstmals am 24. Oktober 2023. Er wurde für diese Fassung erneut von unserer Redaktion durchgesehen und aktualisiert.

Meistgeklickte Nachrichten aus der Region Braunschweig-Wolfsburg und Niedersachsen:

Keine wichtigen News mehr verpassen: