Braunschweiger Forscherin: „Corona-Entwicklung besorgniserregend“

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„Die Infektionszahlen sind nicht in dem Maße gefallen wie in anderen Bundesländern“, sagte die Wissenschaftlerin vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig in Bezug auf die Lage in Niedersachsen (Symbolbild).

„Die Infektionszahlen sind nicht in dem Maße gefallen wie in anderen Bundesländern“, sagte die Wissenschaftlerin vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig in Bezug auf die Lage in Niedersachsen (Symbolbild).

Foto: Andreas Arnold / dpa

Braunschweig.  Berit Lange, Epidemiologin am HZI, appelliert an Landkreise mit hohen Corona-Infektionszahlen, nicht vor härteren Einschränkungen zurückzuschrecken.

Die Epidemiologin Berit Lange hat an die Landkreise mit hohen Corona-Infektionszahlen appelliert, nicht vor härteren Einschränkungen auf kommunaler Ebene zurückzuschrecken. „Die Entwicklung in Niedersachsen ist besorgniserregend“, sagte die Wissenschaftlerin vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. „Die Infektionszahlen sind nicht in dem Maße gefallen wie in anderen Bundesländern. Es gab selten eine vergleichbar niedrige Reproduktionszahl wie in Baden-Württemberg oder Sachsen.“ In den letzten Wochen sei in Niedersachsen eine Seitwärtsbewegung zu beobachten gewesen. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen sogar.

„Wenn die Infektionszahlen nach oben gehen, muss ich als Stadt oder Landkreis aktiv werden“

„Wir haben Städte und Landkreise mit niedrigen Inzidenzen, aber auch solche mit deutlich höheren Werten sowie einem hohen R-Wert“, sagte Lange. Der R-Wert, also die Reproduktionszahl, gibt an, wie viele Menschen jeder Infizierte im Durchschnitt ansteckt. Die Zahlen in den Landkreisen, die in die falsche Richtung gehen, müssten stark eingedämmt werden.

„Wenn die Infektionszahlen nach oben gehen, wenn die Reproduktionszahl über 1 liegt und die Positivrate hoch ist, muss ich als Stadt oder Landkreis aktiv werden – auch wenn es schon überregionale Einschränkungen gibt, da diese ja offensichtlich nicht ausreichend sind“, sagte die HZI-Forscherin. „Je später ich damit anfange, umso mehr Infektionsfälle, schwere Verläufe und Todesfälle habe ich noch für einige Wochen.“

Region Hannover kann Infektionszahlen nicht deutlich drücken

Schon jetzt analysierten die Landkreise und Gesundheitsämter sehr genau, wo sich das Infektionsgeschehen abspielt. „Habe ich zum Beispiel viele Infektionen im privaten Bereich, greifen Ausgangssperren. Sie führen dazu, dass sich die Leute abends nicht mehr besuchen“, sagte die Epidemiologin. „Man muss auch die Bereiche Arbeit, Schule und Heime genau anschauen.“

Zum Beispiel konnte die Region Hannover ihre hohen Infektionszahlen bisher nicht deutlich drücken. Die Regionsverwaltung führt dies auf die Verbreitung der britischen Mutante zurück, hatte aber Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen zuletzt vorerst ausgeschlossen. Lange sagte: „Andere Städte wie Flensburg, die stark von der britischen Variante betroffen sind, haben allerdings ihre Einschränkungen auf örtlicher Ebene verschärft.“ Weil die Region Hannover fast 1,2 Millionen Einwohner hat, haben diese Infektionszahlen Einfluss auf den Landesdurchschnitt. Niedersachsen hat knapp 8 Millionen Einwohner.

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