Wegen Corona: Niedersachsens Kliniken gehen Blutkonserven aus

Braunschweig.  Das DRK kann nicht wie gewohnt liefern. Das Klinikum Braunschweig erhält nur 40 Prozent der angeforderten Menge.

Eine Mitarbeiterin entnimmt eine Blutspende. Das DRK kann nicht wie gewohnt liefern.

Eine Mitarbeiterin entnimmt eine Blutspende. Das DRK kann nicht wie gewohnt liefern.

Foto: Ina Fassbender / dpa

Die Corona-Krise verursacht einen Engpass an Blutkonserven in Kliniken und großen Arztpraxen. Der DRK-Blutspendedienst der Landesverbände in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt,Thüringen, Oldenburg und Bremen (NSTOB) wirbt in einem Schreiben vom Montag um Verständnis. Die Nachfrage nach Blutkonserven könne „nur in begrenztem Maß“ bedient werden, heißt es.

Der DRK-Blutspendedienst hat das Schreiben an 330 Einrichtungen in vier Bundesländern verschickt. Es liegt unserer Zeitung vor. Demnach geht das DRK davon aus, dass es erst im Verlauf des Juni wieder ausreichend Spendetermine anbieten kann, um die Regelversorgung sicherstellen zu können. Der DRK-Blutspendedienst deckt etwa 75 Prozent des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland ab.

Auch das Klinikum Braunschweig wird – wie so viele andere Kliniken in Niedersachsen – vom DRK-Blutspendedienst versorgt. „Daher sind auch wir bei einem Engpass betroffen“, sagte Dr. Henk Garritsen, Chefarzt des Institutes für Klinische Transfusionsmedizin, auf Anfrage. „Momentan erhalten wir etwa 40 Prozent der angeforderten Menge“, so der Chefarzt.

Es gibt nicht mehr genügend Spendelokale

Dramatisch sei die Lage noch nicht. Garritsen erklärte: „Wir werden durch entsprechende Maßnahmen versuchen, diese Zeit zu überbrücken.“ Das Klinikum stehe im Austausch mit anderen Kliniken, um die Verschiebung von Operationen zu vermeiden.

Der DRK-Blutspendedienst NSTOB schreibt, dass ihn aus vielen Krankenhäusern Anfragen erreichen, „die weit über das übliche Maß hinausgehen“. Dabei ist das DRK selbst ein Getriebener. Denn trotz Corona sei die Spendebereitschaft der Bürger überdurchschnittlich hoch. Das Problem: Dem DRK selbst stehen nicht genügend Spendelokale zur Verfügung.

Eine Blutkonserve ist 49 Tage lang einsetzbar

Markus Baulke, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes NSTOB, bestätigte die in dem Brief angesprochenen Probleme. In Spendelokalen mit sonst acht Liegen würden aufgrund der geforderten Abstände nur vier Liegen Platz finden. Manche Spendelokale seien so eng, dass sie gar nicht zur Verfügung stünden. „Und die Schulen, die wir häufig als Spendelokale nutzen, haben genug mit sich selbst zu tun“, so Baulke.

Vor Corona lag der Bedarf im Versorgungsgebiet des NSTOB bei 2400 Blutkonserven pro Tag. Ende März/Anfang April waren es nur 1400. Mittlerweile stehen in den Kliniken wieder mehr Operationen an, auch große Arztpraxen haben Nachholbedarf. Blutplättchen sind aber nur vier Tage einsetzbar, Blutspenden 49 Tage. Der Engpass in Niedersachsens Kliniken dürfte sich daher noch zuspitzen. Baulke sagte mit Blick auf die noch stattfindenden Blutspende-Termine: „Bitte hingehen!“ Auf die Hygiene werde geachtet, man müsse nur etwas mehr Zeit als sonst mitbringen.

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