Experte: Kliniken sind auf Corona-Krise noch nicht vorbereitet

Braunschweig.  Niedersachsens Gesundheitsministerin Reimann hält dagegen: Wir haben 500 freie Intensivbetten, bauen die Zahl aus.

Eine Ärztin bekleidet sich mit einem Gesichtsschutz.

Eine Ärztin bekleidet sich mit einem Gesichtsschutz.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Corona-Stationen in den Kliniken entstehen, die Zahl der Intensivbetten wird aufgestockt. Ganze Behelfskrankenhäuser werden zum Beispiel in Braunschweig, Wolfsburg und Hannover geplant oder errichtet. Doch all das langt noch nicht, sagt Gesundheitsexperte Tobias Immenroth von der Ostfalia-Hochschule.

Zwar könne niemand genau sagen, was da auf uns zukomme. Doch Immenroth erklärte: Würde man die Zahlen aus China einfach auf Niedersachsen übertragen, „würden etwa 560.000 Patienten auf eine Krankenhausbehandlung angewiesen sein, etwa 168.000 davon müssten beatmet werden“. Zu den Bemühungen in den Kliniken sagte Immenroth: „Das wird nach allem, was wir heute über den Verlauf dieser Pandemie wissen, nicht ausreichen!“ Drei wichtige Komponenten würden den etwa 170 Krankenhäusern in Niedersachsen fehlen: Personal, Geräte und Material. Der Ostfalia-Dozent ist Teil der Enquete-Kommission zur ambulanten und stationären medizinischen Versorgung des Landtags.

Landesgesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) stellte gegenüber unserer Zeitung die aktuellen Fakten dar. Demnach stieg die Zahl der Infizierten in Niedersachsen am Donnerstag auf 2726 Fälle – 413 mehr als am Vortag. 354 Betroffene müssen in Kliniken behandelt werden, 84 davon auf der Intensivstation. 69 davon werden künstlich beatmet. Die gute Nachricht: 201 Corona-Erkrankte in Niedersachsen sind inzwischen genesen. „Das ist eine Zahl, die uns Hoffnung geben soll“, sagte Reimann.

Niedersachsen will laut Reimann nach einer Anfrage aus Italien sogar zehn Intensiv-Corona-Patienten aufnehmen. „Das ist eine Frage europäischer Solidarität“, sagte sie. „So etwas geht natürlich nur, solange die Betten frei sind.“ Das Land plane, die 2400 Intensivbetten, die zur Verfügung stehen, zu verdoppeln. Von den 2400 Betten sind momentan 500 frei. 50.000 Euro werden Kliniken pro zusätzlich geschaffenem Intensivbett erhalten.

Gesundheitsexperte Immenroth weiß die Anstrengungen zu schätzen. Er sagte aber: Ausreichen würden die 4800 geplanten Intensivbetten nur, „wenn sie ausschließlich für Corona-Patienten zur Verfügung stünden und die notwendigen Krankenhausbehandlungen sich möglichst gleichmäßig über 12 Monate verteilen würden“. Immenroth schränkte gleich selbst ein: „Allerdings benötigen wir auch weiterhin Intensivbetten für Patienten mit Herzinfarkten, Schlaganfällen, Darmverschlüssen oder Krebs.“

Reimann hält dagegen: „Niedersachsen hat jetzt schon halb so viele Intensivbetten wie ganz Italien.“

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