„Grünes Fliegen“ – Forscher fordert von Airlines mehr Ehrgeiz

Braunschweig.  TU-Professor Friedrichs: Finanzierung von Umweltprojekten durch Ticketpreis-Aufschläge reicht nicht aus. Er fordert „langfristige Lösungen“.

Auch Easyjet gehört zu den britischen Unternehmen, die sich verpflichteten, bis 2050 „emissionsfrei“ zu fliegen.

Auch Easyjet gehört zu den britischen Unternehmen, die sich verpflichteten, bis 2050 „emissionsfrei“ zu fliegen.

Foto: Owen Humphreys / dpa

Die Luftfahrt wächst wie kaum ein anderer Verkehrszweig. Alle 15 Jahre verdoppelt sich das Aufkommen weltweit. Angesichts dessen mutet es fast wie ein Ding der Unmöglichkeit an, den CO2-Ausstoß durch Flugzeuge in absehbarer Zeit auf null zu reduzieren. Genau dies hatte die britische Luftfahrtbranche aber vor kurzem angekündigt – mit einer „Roadmap zur Netto-Null“. Nachdem Greenpeace die Ankündigung umgehend als „greenwash“, also als umweltpolitisches Täuschungsmanöver, bezeichnet hat, mahnt nun auch der Braunschweiger Luftfahrtforscher Jens Friedrichs „echte langfristige Lösungen“ an.

Kritik: Kompensationshandel ändert nichts am Ausstoß

Stein des Anstoßes – für die Umweltorganisation wie für den TU-Professor – ist der Zertifikatehandel: Flugpassagiere können bei der Buchung von Tickets einen Extra-Betrag entrichten, von dem dann klimapolitische Maßnahmen, etwa das Aufforsten von Wäldern, bezahlt werden. An den tatsächlichen Emissionen der Flugzeuge ändert sich dadurch nichts. Dennoch ist dieses Modell – neben neuer Technik und „smarteren Abläufen“ – ein wichtiger Baustein in der britischen „Roadmap“.

„Emissionsfrei fliegen ist machbar“

„Kurzfristig betrachtet, können solche Kompensationen sinnvoll sein, um bei den Kunden das Bewusstsein für das Klima zu schärfen. Aber letztlich müssen wir alles daran setzen, wirklich emissionsfrei zu fliegen“, sagt Friedrich, Sprecher des Luftfahrt-Exzellenzclusters der TU. In dem Forschungsverbund arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen daran, die Luftfahrt nachhaltig zu machen. „Wir sind überzeugt, dass es eine emissionsfreie Luftfahrt geben muss und kann – aber nicht über Ausgleiche, sondern durch Technik“, bekräftigt er gegenüber unserer Zeitung.

Aus Sicht des Braunschweiger Forschers tun die Fluggesellschaften hierfür nicht genug – auch wenn er die Ankündigung der Briten grundsätzlich positiv bewertet: „Ich kritisiere aber, dass man sich ein Stück weit auf dem Kompensationshandel ausruht.“

Friedrichs: auf mehrere Technologien setzen

Prof. Friedrichs fordert von den Airlines mehr Mut: „Wir müssen auf radikal andere Flugzeug- und Antriebskonzepte setzen. Nur so ist das Ziel, emissionsfrei zu fliegen, erreichbar. Da wünsche ich mir mehr Ehrgeiz.“ Laut Friedrichs ist es hierfür notwendig verschiedene Technologien einzusetzen: Batteriebetrieb, Wasserstoff-Brennstoffzellen und synthetische Kraftstoffe.

Vorankommen soll das nachhaltige Fliegen auch durch eine neue Kooperation des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL) in Braunschweig mit der niederländischen TU Delft. Das NFL ist eine Allianz der luft- und raumfahrttechnischen Institute der TU Braunschweig, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Leibniz-Universität Hannover. Friedrichs bezeichnet Delft als „perfekten Partner“. Konkret wollen die Forscher bei den Themen Flugzeugbau und Antriebstechnik zusammenarbeiten.

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