Gewerkschaft GEW: 1900 neue Lehrer sind nicht genug

Hannover.  Nach Ansicht der GEW werden schon jetzt mindestens 2500 neue Lehrer und Lehrerinnen benötigt.

Im kommenden Schuljahr fehlt es an Lehrern an deutschen Schulen.

Im kommenden Schuljahr fehlt es an Lehrern an deutschen Schulen.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa/ Symbolbild

Bildungsverbände sehen Niedersachsen zum kommenden Schuljahr schlecht gerüstet. Ganze Schulformen gingen „sehenden Auges den Bach runter“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth in Hannover. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Franz-Josef Meyer, sieht die „Basisschulform Grundschule“ qualitativ und quantitativ gefährdet. Hintergrund sind Lehrermangel und der daraus entstehende Stundenausfall.

Pooth wies bei der Pressekonferenz der GEW zum Schuljahresbeginn auf den aus GEW-Sicht gravierenden Lehrermangel hin. „Mindestens 2500 Stellen hätten ausgeschrieben und besetzt werden müssen, um Unterrichtsausfällen wirklich entgegenwirken zu können“, sagte Pooth. Laut Kultusministerium waren zum neuen Schuljahr zunächst 1900 Stellen ausgeschrieben worden. Genaue Zahlen will Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) diese Woche bekanntgeben. Allein für den doppelten Abiturjahrgang 2020/2021 seien 1250 zusätzliche Stellen nötig, betonte Pooth.

Schlechte Aussichten für Wolfsburg und Salzgitter

Wie Pooth weiter sagte, können nach Informationen an die GEW auch aus den regionalen Schulbehörden die angestrebten Verstärkungen aus dem Programm „Schule Plus“ für Schulen an sozialen Brennpunkten teilweise mangels Personal gar nicht umgesetzt werden. Dies betreffe beispielsweise Schulen in Salzgitter. In Wolfsburg sehe es mit der Unterrichtsversorgung an Grundschulen ebenfalls schlecht aus.

Heftige Kritik gibt es aus mehreren Verbänden auch an der weitergehenden Praxis von Lehrerabordnungen insbesondere von Gymnasiallehrern an andere Schulformen. „Es ist zu erkennen, dass Haupt-, Real- und Oberschulen, Gesamtschulen, aber auch die Berufsbildenden Schulen im Moment sehenden Auges den Bach runtergehen“, sagte Pooth. Mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang 2020/2021 durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren (G9) sowie den Bewerbermangel stellt Niedersachsen mehr Gymnasiallehrer als normal ein. Sie werden dann an andere Schulformen abgeordnet.

Eingestellte Lehrer reichen noch nicht

An einzelnen Schule im Bezirk Weser-Ems gebe es mittlerweile mehr abgeordnete Lehrer als Stammpersonal, hieß es. Dabei habe Minister Tonne angekündigt, die Zahl schrittweise auf Null zu reduzieren. Der Philologenverband begrüßte zwar, dass mehr Gymnasiallehrer eingestellt würden. Die Zahlen reichten aber nicht, um den absehbaren Bedarf zu decken. Zudem hätten die „abgebenden Schulformen“ abgeordneter Lehrer immer das Nachsehen, erklärte auch der Philologen-Vorsitzende Horst Audritz. Die GEW forderte neben mehr Studienplätzen eine bessere Bezahlung der Lehrer Grund-, Real- und Hauptschullehrer sowie eine Bedarfsplanung des Landes. Eine entsprechende Arbeitsgruppe von Kultus- und Wissenschaftsministerium habe aber bisher keine Ergebnisse vorgelegt, so Pooth.

Niedersachsen müsse Investitionen in Bildung ermöglichen, betonte Pooth. Für die Forderung, dafür auf das Neuverschuldungsverbot zu verzichten, gebe es längst auch Unterstützung wirtschaftsnaher Ökonomen, sagte die GEW-Vorsitzende. Zur kurzfristigen Verbesserung der Lage regt die GEW freiwillige Mehrarbeit über Arbeitskonten an: Lehrer würden dann zusätzliche Stunden unterrichten und diese später mit einem Aufschlag zurückbekommen. Zudem sollten Teilzeitkräfte ihre Stundenzahl wenn möglich erhöhen. Einen entsprechenden Appell hatte auch Minister Tonne an die Lehrer gerichtet. Problem laut GEW: Viele arbeiteten wegen der umfassenden Belastung Teilzeit.

Die GEW setzt nun verstärkt auf die Unterstützung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Es wird in Kürze ein Gespräch mit ihm stattfinden“, sagte Pooth.

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