Kultusminister will Schulen Spielraum bei Methoden lassen

Hannover.  Der FDP-Antrag auf ein Verbot von „Lesen nach Schreiben“ findet bei Grant Hendrik Tonne wenig Anklang. Die Methode bleibt also zulässig.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister von Niedersachsen, spricht am 10. Dezember während der Debatte um die Schreib- und Rechenfähigkeiten der niedersächsischen Schüler vor den Abgeordneten im Landtag.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister von Niedersachsen, spricht am 10. Dezember während der Debatte um die Schreib- und Rechenfähigkeiten der niedersächsischen Schüler vor den Abgeordneten im Landtag.

Foto: Foto: Holger Hollemann / dpa

Lehrer, die nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ unterrichten, können das in Niedersachsen weiterhin tun. „Wir tun gut daran zu akzeptieren, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) im Landtag. Das Schulgesetz garantiere den Schulen weitgehende Eigenverantwortung, und das sei gut so.

Zum Auftakt der Debatte im Landesparlament hatte der FDP-Abgeordnete Björn Försterling gefordert, die Lernmethode „Lesen durch Schreiben“ abzuschaffen. Die FDP legte einen entsprechenden Antrag vor. Insgesamt bekämen bayerische Schüler in den Klassen 1 bis 4 laut Stundentafel außerdem 400 Stunden mehr Unterricht als in Niedersachsen, sagte der FDP-Politiker weiter. Diese Chancen stünden Niedersachsens Schülern genauso zu. Försterling verwies auf die Ergebnisse von Bildungsstudien zu Basisfertigkeiten von Grundschülern. Diese sind danach oft unzureichend.

Dagegen betonte der Braunschweiger SPD-Abgeordnete Christoph Bratmann, die Kritik an einzelnen Methoden oder auch an den Lehrern greife zu kurz. Eine wichtige Rolle spiele das Elternhaus. Die Grünen-Abgeordnete Julia Hamburg forderte eine bessere Ausstattung der Schulen. „Schulen müssen stärker entlastet werden“, sagte Hamburg, so auch durch den Ausbau von multiprofessionellen Teams. „Kein Kind wird besser schreiben, wenn man diese Methode abschafft“, betonte Hamburg. Sie diene im Übrigen zum Erwerb von Lesekompetenz, ersetze also Methoden orthographischer Kompetenz gar nicht. Es handele sich daher um eine „Gespensterdebatte“. „Man muss trainieren, durch Üben, durch Wiederholen“, meinte der Abgeordnete Harm Rykena von der AfD. Dies sei aber heute in Zeiten von Teams und Projekten nicht mehr gefragt.

Minister Tonne kündigte das Entwickeln „zeitgemäßer Leseförderkonzepte“ an. Lehrer benötigten ein großes Methodenrepertoire, so Tonne. Mindestens 90 Prozent der Grundschulen arbeiteten aber beim Rechtschreiblernen nach der Fibelmethode. Laut Kultusministerium wurde „Lesen durch Schreiben“ nie durch das Land propagiert. Die seit langem umstrittene reformpädagogische Methode arbeitet mit Anlauttabellen und verzichtet zunächst zwecks Frustvermeidung auf Korrekturen. Das Kölner Mercator-Institut hatte jüngst unter Berufung auf empirische Studien festgestellt, dass „leistungsstärkere Schüler das Lesen und Schreiben weitgehend unabhängig von der Methode erfolgreich erlernen“. Das Verbot einer Methode mache daher wenig Sinn, zumal diese oft mit anderen Elementen ergänzt würden. Für einige Schüler sei entscheidend, dass Lehrkräfte ihnen die Regeln explizit vermittelten und begründeten. Andere Kinder müssten Wörter selbst lesen oder schreiben und sich die Regeln erschließen. Eine Studie der Universität Bonn hatte allerdings der Methode „Lesen durch Schreiben“ schlechtere Ergebnisse bescheinigt. Die „Rechtschreibwerkstatt“-Methode wiederum gibt Kindern Materialien zu bearbeiten. Beim „Fibelansatz“ geht es Schritt für Schritt und nach festen Vorgaben. Diese Methode sei klar überlegen, so die Bonner Studie. Das Land hatte laut Ministerium bereits das Kerncurriculum für Grundschulen stärker in Richtung Basiskompetenzen geändert.

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