Welfenprinz verkauft Marienburg für einen Euro

Pattensen.   Der Bund und das Land Niedersachsen wollen das Gebäude sanieren. Das Inventar soll in eine Stiftung eingebracht werden.

Für den symbolischen Betrag von einem Euro verkauft Ernst August von Hannover das marode Schloss Marienburg an die öffentliche Hand.

Für den symbolischen Betrag von einem Euro verkauft Ernst August von Hannover das marode Schloss Marienburg an die öffentliche Hand.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Für den symbolischen Betrag von einem Euro verkauft Ernst August von Hannover das marode Schloss Marienburg an die öffentliche Hand. Die Liemak-Immobilien-GmbH, eine Tochter der Klosterkammer Hannover, übernimmt die 1867 fertiggestellte Residenz der Welfen bei Pattensen.

Zudem erwerbe das Landesmuseum Hannover – unterstützt von Stiftungen – rund hundert für das Land besonders wertvolle Stücke aus dem kulturhistorischen Inventar im Wert von zwei Millionen Euro, teilte Kulturminister Björn Thümler (CDU) am Donnerstag mit. Weitere Gegenstände im Wert von rund sechs Millionen Euro bringe Ernst August junior in eine gemeinnützige Kunststiftung ein. „Das gemeinsam entwickelte Modell sichert Schloss Marienburg und sein Inventar dauerhaft für die Öffentlichkeit“, sagte der Adlige, der 2004 das Bauwerk von seinem gleichnamigen Vater Ernst August von Hannover (64) übernommen hat. Er werde mit seiner Familie weiterhin in Hannover wohnen und der Marienburg immer verbunden bleiben, betonte Ernst August.

Das berühmte Silbermobiliar, das einst im Braunschweiger Schloss stand und nun auf der Marienburg gezeigt wird, gehört nicht zu den Stücken, die an die Stiftung übergehen. Das Kulturministerium erklärte auf Nachfrage, es bleibe im Besitz des Prinzen, der es aber als Dauerleihgabe im Schloss belassen wolle.

Die Opposition im niedersächsischen Landtag ist alarmiert. Es sei am Haushaltsausschuss vorbei verhandelt worden, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel. „Das ist eine totale Unverschämtheit“, sagte er. Auf den Steuerzahler könnten riesige Folgekosten zukommen, warnte Wenzel. Das „Strohmann-Geschäft“ mit der Klosterkammer sei unredlich. Die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Susanne Schütz, sprach von einem „riesigen Affront gegenüber dem Parlament“.

Thümler betonte, das erklärte Ziel sei, „das Gesamtkunstwerk Schloss Marienburg als Kulturdenkmal und Erinnerungsort mit großer Bedeutung für die niedersächsische Landesidentität dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen“. Die Zahlungsfähigkeit des Hauses Hannover sei nicht die Grundlage für das Engagement des Landes, sondern die nationale Bedeutung der Marienburg, betonte Thümler. „Ich habe jetzt keine Konteneinsicht bei Ernst August von Hannover genommen“, sagte er zur Kritik, dass anderen Denkmalbesitzern auch nicht vom Staat unter die Arme gegriffen werde.

Der Sanierungsbedarf des neugotischen Bauwerks wird auf 27 Millionen Euro hochgerechnet. Zunächst soll der Hang, auf dem die Burg steht, gestützt werden, damit das Gemäuer nicht abrutscht.

Der Bund unterstützt die Sanierung insgesamt mit 13,6 Millionen Euro, die gleiche Summe werde das Land ab 2020 nach und nach aufbringen, sagte Thümler. Eine Kostenerhöhung will er nicht ausschließen. Ernst August von Hannover hört zum Jahresende auch als Betreiber von Gastronomie und Veranstaltungen auf der als „Neuschwanstein des Nordens“ vermarkteten Burg auf, die jährlich rund 200 000 Besucher aus dem In- und Ausland anzieht. Die zwei Millionen aus dem Erlös der Kunstwerke werde er in erster Linie zur Entschuldung der Betreibergesellschaft nutzen, sagte der 35-Jährige.

Der neue Betreiber ab 1. Januar 2019, die Schloss Marienburg GmbH, werde alle 60 Mitarbeiter übernehmen. Die neuen Pächter sind die niedersächsischen Unternehmer Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning.

Der Regionalhistoriker und Welfenkenner Gerd Biegel sieht den Verkauf ambivalent. „Die Welfen geben einen wichtigen Identifikationsort auf. Man kann durchaus fragen, warum macht ihr das nicht selbst?“ Andererseits sei er froh, dass durch die Stiftung die Welfen Verantwortung für ihre Geschichte als Landesherren gegenüber der Öffentlichkeit übernehmen. Ein privater Ausverkauf der Kunstschätze wäre dramatisch gewesen. „Wenn das Schloss angemessen ausgestattet wird und die Objekte sicher der Öffentlichkeit zugänglich bleiben, ist das für Kunst und Kulturgeschichte die beste Lösung.“

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