Pläne für Schacht Konrad wurden schon 35 Mal geändert

Salzgitter.  Atomkraft-Gegner sehen sich bestätigt und sagen: Das geplante Endlager in Salzgitter ist völlig veraltet.

Arbeiter führen im geplanten Atomendlager Schacht Konrad in Salzgitter  Bohrarbeiten aus.

Arbeiter führen im geplanten Atomendlager Schacht Konrad in Salzgitter Bohrarbeiten aus.

Foto: Silas Stein / dpa

Beim geplanten Endlager Schacht Konrad in Salzgitter haben die Behörden bereits 35 Änderungsverfahren genehmigt. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Beide Antworten liegen unserer Zeitung vor.

Hubertus Zdebel, Atomexperte der Linken-Fraktion im Bundestag, kritisiert, dass inzwischen nahezu jeden Monat Änderungsgenehmigungen erteilt würden. „Egal, worum es sich handelt, immer werden sie als unwesentlich eingestuft, um ja nicht den Planfeststellungsbeschluss infrage stellen zu müssen“, sagte Zdebel.

Das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll wurde 2002 vom niedersächsischen Umweltministerium genehmigt. Es soll 2027 in Betrieb gehen. Immer wieder riefen die Betreiber neue Termine für den Beginn der Einlagerung des Atommülls auf. Zuletzt verschob die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) den Termin von 2022 auf 2027.

Ähnlich wie Zdebel sieht es Ludwig Wasmus von der AG Schacht Konrad. „Wir entfernen uns immer weiter von den Plänen, die 2002 genehmigt wurden“, sagte er.

Es befinden sich noch Holzeinbauten im alten Eisenerzbergwerk. Diese werden derzeit ausgebaut. Dabei kam es Mitte Juni zu einem Vorfall: Holzstücke fielen in die Tiefe – trafen aber keinen Mitarbeiter. BGE-Geschäftsführer Thomas Lautsch erklärte in einer Mitteilung zwei Tage später zum Vorfall: „Der Sachschaden und die Störung des Betriebsablaufs sind erheblich.“

Wasmus sagte dazu: „Dass es da unten noch Holzeinbauten gibt, zeigt, wie unzeitgemäß Konrad ist. Er ist nicht geeignet.“

BGE-Sprecherin Monika Hotopp erklärte mit Blick auf die
35 Änderungsverfahren: „Es handelt sich bei den Planungsabweichungen um sogenannte unwesentliche Änderungen.“ Das sieht Linken-Atomexperte Zdebel nicht so: „Es handelt sich nicht um Kleinigkeiten. Es geht um technische Einrichtungen, Notfallplanungen, Bohrungen, auch um die Abruflogistik und die Behandlung der radioaktiven Abfälle.“

Laut Hotopp dienen die Änderungen dazu, „das Sicherheitsniveau zu halten“. Nur so könne man das geplante Endlager auf dem Stand von Wissenschaft und Technik halten. Zdebel hingegen sagte: „Das völlig veraltete Projekt soll mühsam an heutige Anforderungen angepasst werden. Aber am Ende wird es eine alte Anlage bleiben – mit lauter Hilfskonstruktionen.“

Derzeit arbeiten etwa 1000 Menschen in bis zu 1000 Metern Tiefe. Schacht Konrad ist Deutschlands tiefste Baustelle.

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