Wenn Pflege hart wird, hilft der Roboter

Hannover  Bei der Messe „Altenpflege“ stehen Digitalisierung und Fachkräftemangel im Mittelpunkt. Für „Verdi“ ist die Pflege selbst ein Pflegefall.

Eine Altenpflegerin bei der Arbeit.

Eine Altenpflegerin bei der Arbeit.

Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Pflege sei ein Pflegefall: zu wenig Geld von der Politik, schlechte Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, zu niedrige Löhne. So kurz und unsentimental schätzt die Gewerkschaft Verdi die Lage in der Altenpflege ein.

Bei der Messe „Altenpflege 2018“, die diesen Dienstag in Hannover beginnt, geht man das Thema aus leicht gehobener Perspektive an: Digitalisierung und auch der Fachkräftemangel sollen im Mittelpunkt der Schau stehen.

„Heimleiter, Entscheider, Pflegekräfte und Start-ups – sie alle treffen sich vom 6. bis 8. März 2018 auf dem Messegelände Hannover zur ,Altenpflege‘, der Leitmesse der Pflegewirtschaft“, wirbt der Veranstalter Vincentz Networks für die Messe. Gezeigt werden „Themen und Trends“ der Pflegebranche. 40 Seiten umfasst das Aussteller-Verzeichnis, von einer Altenhilfe-Beratungs-GmbH aus Stuttgart bis zu einer Objekttextilfirma aus Vilsbiburg. Dazu kommen noch ausländische Aussteller. Als „Trendthemen“ listet die Messe unter anderem Personalentwicklung, innovative Hilfsmittel, Bauen und Einrichten, Verpflegung und ein Investitionsbarometer auf. „47 Prozent aller Anbieter werden 2018 mehr investieren als 2017“, heißt es zum letzten Punkt.

Das Großthema von Bundes- und Landespolitik, die Digitalisierung, steht laut Messeleiterin Carolin Pauly von Vincentz Networks im Zentrum der Schau. Das Thema ziehe sich durch alle Bereiche, von der Dokumentation bis zur Personalplanung.

Ein weiteres großes Thema ist der Fachkräftemangel. Laut einer Prognose des Niedersächsischen Sozialministeriums werden in der Altenpflege in den kommenden zwölf Jahren bis zu 52 000 Fachkräfte fehlen. Das erklärte Ministerin Carola Reimann (SPD) im Februar – allerdings gilt das als worst case, wenn nichts passiert. Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte bis 2030 um rund ein Drittel zunehmen. Groß ist der Personalmangel besonders in ländlichen Regionen.

„Was heute hauptsächlich aus Science-Fiction-Filmen bekannt ist, kann morgen schon Alltag in deutschen Pflegeheimen sein: Roboter als Helfer oder Pfleger“, heißt es in einer Mitteilung der Techniker-Krankenkasse zur „Altenpflege 2018“. Damit wird klar, wie die Themen Digitalisierung und Personalmangel auch zusammengehören. Auch wenn betont wird, es gehe beim Robotereinsatz um schwere Arbeiten wie das Heben von Patienten, „Routineaufgaben“ und Kontrollgänge – etwa das Bringen von Medikamenten. Digitalisierung bedeutet aber auch die moderne Seniorenwohnung zuhause. Die TK nennt als Beispiel Sensoren, die Stürze melden oder auch an Medizin erinnern. Mit „altersgerechten Assistenzsystemen“ befasst sich auch ein Projekt des Sozialministeriums – mit Wohnungen auch in Braunschweig. „Wohnen und Pflege im Alter“ , ein weiteres Programm, fördert auch ein Projekt in Wolfsburg-Detmerode.

„Über 60 Prozent der Beschäftigten sind im Prinzip tariflos“, sagte Verdi-Expertin Aysun Tutkunkardes. Bei der Bezahlung steuert der Verband der Privaten Anbieter bei Fachkräften allerdings nun etwas gegen. Aus Sicht von Verdi bleiben aber neben der vergleichsweise schlechten Bezahlung Arbeitszeiten und Überstunden Hauptursachen der mangelnden Attraktivität des Berufes.

Immerhin: Seit das Schulgeld für die Ausbildung entfallen ist, steigen laut Sozialministerium die Auszubildendenzahlen – im Jahr 2016 auf mehr als 7000 Schüler. 2012 waren es knapp 6600. Zudem unterstütze man den Plan eines „Tarifvertrags Soziales“, so das Sozialministerium. Auf Pauschalen und Pflegesätze habe das Land keinen Einfluss.

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