Mehr Kinder und Jugendliche leben in Heimen und Pflegefamilien

Hannover/Bremen  Zehntausende Kinder und Jugendliche in Niedersachsen leben nicht bei ihren Eltern, sondern in Heimen oder Pflegefamilien.

Ein 16-jähriger Flüchtling aus Eritrea, steht am in Nürnberg am Fenster seines Zimmers in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Ein 16-jähriger Flüchtling aus Eritrea, steht am in Nürnberg am Fenster seines Zimmers in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien und Betreuungseinrichtungen ist in Niedersachsen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nach Zahlen des niedersächsischen Landesamtes für Statistik kletterte die Zahl von rund 11 100 Betroffenen im Jahr 2010 auf knapp 16 000 Betroffene im vergangenen Jahr. Nach den jüngsten Zahlen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, waren alle Altersgruppen vertreten, darunter rund 140 Säuglinge unter einem Jahr.

Die neue Statistik zeigt, dass die Mehrheit der betroffenen Kinder und Jugendlichen männlich ist. Der Großteil lebte in Einrichtungen, rund 7600 Betroffene in Pflegefamilien. Zu den häufigsten Gründen für eine Unterbringung zählen nach Angaben des Sozialministeriums in Hannover, dass Kinder und Jugendliche in ihrer eigenen Familie nicht ausreichend versorgt und betreut wurden. In vielen Fällen sahen die Behörden das Kindeswohl gefährdet.

Auch bundesweit gibt es deutlich mehr Kinder und Jugendliche in Heimen und Pflegefamilien als früher. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl zwischen 2010 und dem Jahr 2015 um rund 22 Prozent gestiegen. Demnach waren in Deutschland nach jüngsten Zahlen mehr als 137 500 Kinder und Jugendliche in Heimen oder bei Pflegeeltern untergebracht.

Das Bundesfamilienministerium erklärt die Entwicklung vor allem durch unbegleitete ausländische Minderjährige, die in Einrichtungen untergebracht wurden. In den Jahren 2014 und 2015 sei eine hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht vor Krieg, Terror und Unterdrückung ohne Eltern bei uns angekommen, sagte eine Sprecherin.

In Bremen lebten im vergangenen Jahr mehr als 2200 Kinder und Jugendliche in Heimen und Pflegefamilien, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Im Jahr 2015, nachdem besonders viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ins kleinste Bundesland gekommen waren, gab es knapp hundert Betroffene mehr. Vergleicht man die Zahlen mit dem Jahr 2010, zeigt sich ein enormer Anstieg. Damals lebten 1625 Minderjährige in Einrichtungen und bei Pflegeeltern.

Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Zahl in Bremen kaum verändert, aktuell gibt es weiter rund 2200 Betroffene, wie das Sozialressort mitteilte. Etwa ein Drittel davon seien unbegleitete minderjährige Ausländer, sagte Sprecher Bernd Schneider. Die Statistik-Behörden wollen den Aspekt, ob eine Inobhutnahme aufgrund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland erfolgte, ab dem Berichtsjahr 2017 erfassen.

Wie in anderen Bundesländern greifen auch die Bremer Behörden auf Pflegefamilien und Einrichtungen zurück, wenn Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause brauchen. „In vielen Fällen teilen die Eltern die Auffassung der Jugendbehörde hinsichtlich einer Fremdplatzierung ihrer Kinder“, sagte Schneider. „Alle streitigen Fälle werden vor dem Familiengericht verhandelt und entschieden.“

Die Mehrheit der untergebrachten Kinder und Jugendlichen in Bremen lebte nach den Zahlen des Sozialressorts in Einrichtungen, etwa ein Viertel in Pflegefamilien. Im Stadtgebiet Bremen gab es jüngst rund 470 Familien, die jeweils ein oder mehrere Pflegekinder aufgenommen haben, wie die Sprecherin der gemeinnützige GmbH PiB – Pflegekinder in Bremen, Eva Rhode, mitteilte. „Die große Mehrheit der Pflegekinder bleibt bis zur Volljährigkeit bei der Pflegefamilie. In vielen Fällen hält die Bindung ein Leben lang.“ dpa

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