Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt nimmt Arbeit auf

Hannover  Das vom Justizministerium initiierte Projekt soll den Betroffenen helfen, die Folgen rechter und rassistischer Gewalt zu bewältigen.

Demo von Rechtsextremisten auf dem Bahnhofsvorplatz in Göttingen (Archivbild) eine Fahne. Für die Opfer rechtsextremer Gewalt hat das niedersächsische Justizministerium eine Beratungsstelle geschaffen.

Foto: Swen Pförtner/dpa

Demo von Rechtsextremisten auf dem Bahnhofsvorplatz in Göttingen (Archivbild) eine Fahne. Für die Opfer rechtsextremer Gewalt hat das niedersächsische Justizministerium eine Beratungsstelle geschaffen. Foto: Swen Pförtner/dpa

In Niedersachsen nimmt eine Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ihre Arbeit auf. Das Projekt soll Anfang Mai starten, teilte das Justizministerium mit.

Der Anstieg rechter Gewalt in Niedersachsen habe gezeigt, wie wichtig ein solches Unterstützungsangebot sei, sagte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne). „Ich bin froh, dass wir unserer Pflicht nachkommen, Betroffene von diskriminierenden Straftaten und von Hasskriminalität besser zu unterstützen.“

Die Beratungsstelle hat zunächst ein Büro in Hannover, die Eröffnung eines weiteren in Oldenburg ist geplant. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle kommen auch zu den Betroffenen nach Hause - das Angebot gilt somit landesweit und ist nicht auf Hannover beschränkt. Finanziert wird das Projekt mit jährlich 186 000 Euro aus Landesmitteln, weitere 64 000 Euro pro Jahr kommen vom Bundesfamilienministerium.

Oft würden Betroffene rechter Straftaten mit Stress, Angstattacken und Aggressionen reagieren, sagt Sozialarbeiterin Anika Döhring vom fünfköpfigen Beraterteam. „Wir helfen ihnen, das Erlebte zu verarbeiten. Außerdem entwickeln wir Pläne zur Wiedererlangung von Sicherheit im Alltag.“ So könne beispielsweise eine Notfall-Alarmkette unter Nachbarn aufgebaut werden - für den Fall, dass sich etwa erneut eine Gruppe rechter Schläger vor einem Haus aufbaue.

Sozialarbeiterin Döhring sammelte in Sachsen-Anhalt acht Jahre Erfahrung in einem vergleichbaren Projekt. Ehrenamtlich betreute sie in dieser Zeit auch Betroffene aus Niedersachsen. Etwa 70 bis 80 Menschen seien es in den vergangenen Jahren gewesen, die sich an sie wandten, weil es in Niedersachsen bislang keine vergleichbare Einrichtung gab.

Betroffene rechter und rassistischer Gewalt fühlten sich oft von den Behörden allein gelassen, ist Döhrings Erfahrung. „Manchmal werden sie auch als Nestbeschmutzer dargestellt, weil sie sich beschweren.“

Die Berater wollen den Opfern auch bei der Bewältigung materieller Tatfolgen helfen. Außerdem begleiten sie sie zur Polizei und zum Gericht. „Man hört von den Betroffenen oft die Überzeugung: „Anzeigen bringt doch nichts, da werde ich wieder diskriminiert, vor Gericht glaubt mir eh keiner““, sagte Anika Döhring.

Gerade für Flüchtlinge sei es oft schwer, das deutsche Rechtssystem zu verstehen. Sie reagierten beispielsweise schockiert, wenn sie erfahren, dass man in Deutschland eine einmal erstattete Anzeige wegen schwerer Körperverletzung nicht wieder zurückziehen kann.

Aufgabe wird es außerdem sein, auf Selbsthilfe-Organisationen und Angebote von Kirchengemeinden und anderen Trägern hinzuweisen. Dazu gibt es in Niedersachsen bereits 50 Kooperationspartner. dpa

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