Ministerin: Härtere Strafen bringen nichts

Braunschweig  Die Jugendkriminalität geht zurück, die Rückfallquote bleibt aber hoch. Die Landesregierung setzt auf Erziehung der jungen Täter. Eine härtere Bestrafung bringt nichts, sagt die grüne Justizministerin.

Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) in Braunschweig bei der Eröffnung des 23. Niedersächsischen Jugendgerichtstages.

Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) in Braunschweig bei der Eröffnung des 23. Niedersächsischen Jugendgerichtstages.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Auf dem 23. Niedersächsischen Jugendgerichtstag in Braunschweig hat Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) Forderungen nach härteren Strafen für junge Täter zurückgewiesen. Deren Wirksamkeit sei durch nichts belegt, sagte sie vor rund 200 Experten aus Justiz, Jugendhilfe und Polizei. Deutlich wurde bei der Tagung, dass es in den Jugendgefängnissen Niedersachsens offenbar nicht genügend Hilfen für psychisch kranke Insassen gibt. Die Ministerin versprach Korrekturen.

Zustimmung für diesen politischen Kurs kam von Experten wie Dr. Menno Baumann. Der Sonderpädagoge, der in einer Einrichtung im Kreis Aurich Jugendliche mit einem „Hochrisiko-Potenzial“ betreut, hält die Haltung für richtig: „Ich sehe allerdings noch viel Handlungsbedarf, und zwar insbesondere, wenn es darum geht, die Zusammenarbeit der Jugendhilfe, der Justiz und des psychiatrischen Systems zu verbessern“, sagte er in seinem Vortrag zum Auftakt des Gerichtstages.

Auch der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover, Christian Pfeiffer, glaubt, dass durch mehr Psychologen Fehl-Entwicklungen in Jugendgefängnissen gestoppt werden könnten. „Es gibt hier ein Defizit an Früherkennung.“

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