Zwist um Straßennamen: Was tun mit dem Hindenburgplatz?

Während im westfälischen Münster über die Benennung des Hindenburgplatzes (im Bild) nach dem ehemaligen Reichspräsidenten gestritten wird, regen sich gegen die Hindenburgstraße in Hannover keine Proteste. Allerdings ist die Benennung von Straßen und Plätzen nach zweifelhaften historischen Persönlichkeiten in Deutschland immer wieder ein Reizthema.

Während im westfälischen Münster über die Benennung des Hindenburgplatzes (im Bild) nach dem ehemaligen Reichspräsidenten gestritten wird, regen sich gegen die Hindenburgstraße in Hannover keine Proteste. Allerdings ist die Benennung von Straßen und Plätzen nach zweifelhaften historischen Persönlichkeiten in Deutschland immer wieder ein Reizthema.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Carl-Diem-Weg, Hindenburgplatz oder Karl-Peters-Straße: Straßenschilder in Deutschland tragen oft noch zweifelhafte historische Persönlichkeiten im Namen. Über Umbenennungen wird heftig gestritten - auch in Niedersachsen.

In Solingen wurde der Hindenburgplatz im vergangenen Jahr zum Marktplatz, in Hannover gibt es die Hindenburgstraße noch: Straßenschilder mit umstrittenen Namenspatronen lösen immer wieder hitzige Diskussionen aus.

Prominente Namenspatrone, die immer wieder zur Debatte stehen, sind neben dem früheren Reichpräsidenten Paul von Hindenburg der Kolonialist Karl Peters und der Sportwissenschaftler Carl Diem. Die entscheidende Frage sei, ob die Personen rassistische Ideen vertreten hätten und nicht mehr geehrt werden sollten, sagt Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Der Verband will Empfehlungen für den Umgang mit umstrittenen Straßennamen herausgeben.

Für die Bürger sei es wichtig, sich in einer Stadt orientieren zu können. Änderungen von Straßennamen brächten eine gewisse Unruhe mit sich. „Alles soll beim Alten bleiben, das ist bequemer“, sagt der Historiker Rainer Pöppinghege von der Universität Paderborn, der politisch geprägte Straßenbenennungen untersucht hat. „Die politische Korrektheit der Namensgeber ist im Zweifel zweitrangig.“ Deshalb wehrten sich die Bürger meist gegen eine Umbenennung.

Doch es gibt auch Initiativen, die sich für das Aus der ungeliebten Beschriftungen einsetzen: „Weg mit den Nazi-Straßen!“ lautet das Motto einer Künstlergruppe in Ludwigshafen.

Auf einer Plattform im Internet sind lokale Initiativen aufgelistet, die historische Straßennamen kritisch hinterfragen. „Die Entscheidung über eine Umbenennung liegt aber immer beim Rat“, betont LWL-Direktor Kirsch.

So wurde der Carl-Diem-Weg in Köln trotz Bürgerprotesten umbenannt, während die Carl-Diem-Straße in Mönchengladbach wenig infrage gestellt wurde.

Über den Hindenburgplatz in Münster wird gestritten, während die gleichnamige Allee in Bonn und die Straße in Hannover kein Reizthema sind. „Bei uns sollen die Straßennamen verschwinden, deren Patrone sich während der Nazi-Zeit aktiv etwas zuschulden haben kommen lassen“, kommentiert Andreas Möser, Sprecher der Stadt Hannover. „Ein politisches Amt oder die Mitgliedschaft in einer Partei reichen nicht aus.“

Städte- oder Gemeinderäte haben nicht nur die Möglichkeit, Straßennamen zu erhalten oder zu ändern. Sie können auch erklärende Zusatzschilder anbringen, wie 2009 in München bei 28 Straßennamen geschehen. Oder sie wechseln den geehrten Namenspatron gleich selbst aus: In Bielefeld heißt die Karl-Peters-Straße zwar immer noch Karl-Peters-Straße, nur wird jetzt ein Jurist gleichen Namens geehrt. In Bremen hat den Kolonialisten 2010 das gleiche Schicksal ereilt.

Bei neu angelegten Straßen sei in den vergangenen 30 Jahren eine Entpolitisierung zu beobachten, sagt Historiker Pöppinghege. „Es gibt immer mehr Straßen mit Namen aus Flora und Fauna. Sicher auch, um künftige Diskussionen zu vermeiden.“ Singvögel seien zum Beispiel sehr beliebt.

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