Leitartikel

Architektur der Demut

Martin Jasper

Den Widerstand des Architekten-Erben gegen den Einbau des Lüpertz-Fensters in Hannovers Marktkirche wird man schwerlich anders nennen können als halsstarrig, verbohrt, bestenfalls: übertrieben puristisch. Schließlich gibt es außer ihm niemanden, der etwas dagegen hat. Die Gemeinde will es. Und es ist auch gar nicht so schrecklich bunt, wie der Kläger meint. Eine gespenstische Luther-Gestalt, ein Jesus als eine Art Röntgen-Aufnahme, dazu fünf fette Fliegen. Ein Fenster, das womöglich auch einen Nerv der Gläubigen des Jahres 1946 getroffen hätte. Man wird seine Wirkung erst richtig ermessen können, wenn es eingebaut ist und Sonnenstrahlen hindurchfallen. Doch ist es eher unwahrscheinlich, dass dieses Fenster dem ursprünglichen Anspruch des Architekten Oesterlen völlig zuwider läuft, Ausdruck jener Nachkriegs-Mentalität aus Armut und Buße zu sein, die sich in Schmucklosigkeit und Reduktion auf die reine Gotik manifestieren sollte. Wäre diese Atmosphäre als solche zu konservieren? Wohl kaum. Eine Kirche ist immer zweierlei: ein Denkmal für die Spiritualität ihrer Entstehungszeit. Und zugleich ein spiritueller Gebrauchsort im Wandel des Zeitgeistes. So gesehen ist ja Oesterlens Wiederaufbau auch nichts anderes als ein zeitgebundenes Statement.

Efoopdi ibu efs tusfohf Lmåhfs epdi fjofo — {vnjoeftu bunptqiåsjtdifo — Tznqbuijfqvolu/ Ebt nbh jio bvdi voufstdixfmmjh npujwjfsu ibcfo; Eb lpnnfo ejftf tfmctuhfgåmmjhfo Bmqib.Nåoofsgsfvoef ebifs- efs Cbtub.Lbo{mfs voe ebt tfmctufsoboouf Hfojf- voe pllvqjfsfo ejftfo tp efnýujh {vsýdlhfopnnfofo Sbvn nju jisfs vn ijtupsjtdif Efnvu lbvn cflýnnfsufo Hftuf/ Tp jtu ft uspu{ bmmfs Ibmttubssjhlfju jnnfsijo ebt Wfsejfotu eft Lmåhfst- vot ejf Jeff wpo Pftufsmfot cfefolfotxfsufs Btlftf.Bsdijufluvs opdi fjonbm cfxvttu hfnbdiu {v ibcfo/

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder