Kommentar

Schule im Großversuch

„Die Fehler der Vergangenheit, die Corona so deutlich offenlegt, lassen sich nicht über Nacht heilen.“

Und er bewegt sich doch: Nach heftiger Kritik von fast allen Seiten hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nun ein „Schutzpaket Corona“ auf den Weg gebracht.

Das angebliche Paket ist allerdings eher ein winziges Päckchen: Schon Luftfilteranlagen passen nicht rein - sie sollen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden dürfen. Das zusätzliche Personal, dass die Schulen dauerhaft bräuchten, kommt offenbar nur befristet für einen Feuerwehr-Einsatz. Das Paket-Absenden Mitte November, mitten in einer zweiten Infektionswelle, spricht für sich. Über den Einsatz von Masken und Luftfiltern, über Schulbusverkehre und entzerrte Anfangszeiten, über Ausweichräume, mehr Abstand und Teststrategien hätte die Landesregierung zusammen mit den Schulträgern im Frühjahr Nägel mit Köpfen machen sollen. Statt dessen setzte man auf den Sommer und das Prinzip Hoffnung. Corona sorgte wenigstens dafür, dass mehr Bewegung in die Digitalisierung kommt. Doch dazu brauchte es schon eine weltweite Pandemie. Die Fehler der Vergangenheit, die Corona so deutlich offenlegt, lassen sich nicht über Nacht heilen. Doch für eine Wende fehlt es offenbar ebenso an der Kraft wie für eine echte Schutzstrategie. So befinden sich die Schulen weiter in einer Art unfreiwilligem virologischen Großversuch. Ohne Abstand, mit Lüften und Maske.

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