Kommentar

Schulen im Stich gelassen

„Bei der Digitalisierung ist Deutschland Entwicklungsland. Entsprechend verlief der Einstieg ins Distanzlernen.“

Zur Panik besteht kein Anlass, zur Vorsicht dagegen schon: Dass Corona im Zuge einer zweiten Welle auch an den Schulen nicht vorbeigehen würde, war zu erwarten. Sie „pandemiefest“ zu nennen, wie es Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) tut, ist angesichts der Realitäten erstaunlich.

Viele Schulträger haben die Bausubstanz etlicher Schulen über Jahrzehnte vernachlässigt – moderne Toiletten und funktionierende Fenster waren zuviel verlangt in einem Land, das dauert von Vorfahrt für Bildung redet. Bei der Digitalisierung ist Deutschland Entwicklungsland. Entsprechend verlief der Einstieg ins Distanzlernen – außer an jenen Schulen, die sich das Schneckentempo der Politik nicht diktieren ließen und selber aktiv wurden. Der gezielte Einsatz von Luftfilteranlagen überforderte die Politik offenbar ebenso wie das Organisieren von Schülerverkehren oder das systematische Ausweisen von Ausweichräumen.

Kein Wunder, dass die Schulen sich im Stich gelassen fühlen. Sie haben mit viel Einsatz versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Doch Flickschusterei und Gesundbeten haben ihren Preis. Es gibt kein echtes Sicherheitsnetz für die Schulen. Gut möglich also, dass ein zweiter „Lockdown“ nötig wird oder ein Zurück zu geteilten Klassen. All das wäre Schadensbegrenzung – zu mehr reicht es offenbar bislang nicht.

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