Leitartikel

Leben mit dem Risiko

„Der einzige Wellenbrecher gegen eine zweite, dritte oder vierte Welle ist eine Impfung.“

Ob es noch die erste Welle oder schon die zweite Welle ist, darüber mögen die Gelehrten streiten. Die Zahl der Corona-Infizierten steigt wieder. Falls sich der Eindruck vom Wochenende verfestigt, wäre es nicht überraschend. Es ist die Kehrseite der mal verfrühten und mal durchaus behutsamen Rückkehr zur Normalität.

Anfang März hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ungeschminkte Wahrheiten ausgesprochen. Vor der Unionsfraktion bemerkte sie, „60 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland werden sich mit dem Coronavirus infizieren“. Das kann man nicht oft genug wiederholen. Nichts ist seither fundamental besser geworden.

Die Seuche grassiert weltweit. Noch immer fehlen Impfstoff und Therapie. Das Virus ist da, „wir werden damit umgehen müssen“ – diese frühe Botschaft von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Der einzige Wellenbrecher gegen eine zweite, dritte oder vierte Welle ist eine Impfung.

Wenn im Herbst die Kälte kommt, wenn die Menschen sich häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten und normale Erkältungen Symptome wie bei Covid-19 hervorrufen, wird es das Virus noch leichter haben. Umso hilfreicher wäre es, Tests so einfach, schnell, erschwinglich zu machen, dass jeder bei Bedarf erfahren kann, ob er das Virus hat. Es würde die Rückkehr zur Normalität erleichtern. Nicht zufällig gründen die Pläne der Bundesliga für volle Stadien darauf. Ist da etwa der Wunsch Vater des Gedankens?

Ein Test ist eine Momentaufnahme, im schlimmsten Fall: eine Scheinsicherheit. Denn die Inkubationszeit beträgt bis zu zwei Wochen. Dennoch würden Massentests helfen, Infizierte früh zu entdecken. Wenn Impfungen die beste Strategie sind, um das Virus zu besiegen, sind Tests der beste Ansatz, um es einzudämmen.

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