Kommentar

Alle in einem Boot?

„Ignoranz ist ein Segen“, die Worte des britischen Poeten Thomas Gray haben nicht an Aktualität verloren. Vergessen muss so schön sein – vor allem, wenn es offensichtlich so schnell gehen kann. Verschwunden sind die Bilder aus Wuhan und Bergamo. Entfallen ist es plötzlich, dass ein Kreuzfahrtschiff, die Diamond Princess, zwischenzeitlich einer der Corona-Hotspots weltweit war. Wie sonst ist zu erklären, dass nun am Freitag 2100 Menschen wieder frohen Mutes ein Kreuzfahrtschiff bestiegen haben? Ohne dass es ein Medikament oder einen Impfstoff gibt? Die aktuell infizierten Crew-Mitglieder auf dem Aida-Schiff zeigen doch, wie nah das Virus noch immer ist. Aber die Menschen wollen Urlaubsfeeling. Jetzt. Wie auch immer das aufkommen soll, wenn Tanzabende und Poolpartys ausfallen und alle Bediensteten einen mit der Maske täglich an dieses „lästige“ Virus erinnern. Ja, Tui hat einen 10-Punkteplan erstellt, doch tägliche Temperaturmessungen entdecken bei einer dreitägigen Reise keine asymptomatischen Patienten oder Infizierte in der Inkubationszeit. Diese könnten die Viren verteilen und danach strömen alle Passagiere munter zurück an ihre Wohnorte. Wer geglaubt hat, dass Quarantäne-Skandale den Massentourismus in die Schranken weisen, muss nun resignieren. Ich könnte mich jetzt aufregen, eine ganze Tirade halten. Oder ich verbleibe beim Poeten Gray. Der wusste nämlich auch, dass „wo Ignoranz ein Segen ist, es töricht ist, weise zu sein.“ Von daher: Schönen Urlaub.

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